Umdenken
Frankreichs Zeitungen stemmen sich gegen Einnahmeschwund

Den französischen Zeitungen laufen die Leser davon. Die verkaufte Auflage sank im Jahresvergleich um 3,7 Prozent. Auch die Werbeeinnahmen brachen im ersten Halbjahr um 25 Prozent ein. Mit Gratis-Abonnements will die Regierung den Trend stoppen. Doch die Branche ist skeptisch - und setzt stattdessen auf neue Erlösmodelle.
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PARIS. Im Erfinden neuer Staatshilfen legt Frankreichs Regierung erstaunliche Kreativität an den Tag. Damit die Jugend öfter zur Zeitung statt etwa zum iPhone greift, verschenkt die Regierung nun 200 000 Abonnements. Unter "monjournaloffert.fr" können sich 18- bis 24-Jährige eine Zeitung ihrer Wahl gratis bestellen.

Kaum einer der französischen Verlagsverantwortlichen glaubt jedoch, dass damit die Abwanderung der Jung-Leser zu stoppen ist. Laut den jüngsten Statistiken der OJD, die die Presse-Verkäufe misst, sank die verkaufte Auflage der landesweiten Tageszeitungen von Juli 2008 bis Ende Juni 2009 um 3,7 Prozent. Richtig abgestürzt sind in der Krise die Werbeeinnahmen, die im ersten Halbjahr um 25 Prozent schrumpften.

Im Kampf gegen die Krise verlassen sich Frankreichs Verleger aber nicht nur auf den Staat: Der konservative "Le Figaro" und die linke "Libération" etwa experimentieren mit neuen Erlösmodellen im Internet. Und sie wollen sich mit überarbeiteter Form und neuen Inhalten der veränderten Landschaft anpassen.

"Statt wie früher nur zwei oder drei, wollen wir nun jeden Tag fünf oder sechs selbst entwickelte Themen dem Leser bieten", sagt Laurent Joffrin, Chefredakteur und Geschäftsführer der "Libération". Die Idee: Weg vom nackten Nachrichtenjournalismus, den die Leser gratis im Internet finden, hin zu Mehrwert wie Exklusiv-Stories und Hintergründe. "Aktualität schaffen, statt ihr nachzulaufen", formuliert Joffrin das Ziel.

Produktionskosten sind wegen historischer Abkommen höher

Seit September liegt die von Jean-Paul Sartre mitbegründete Zeitung mit dem neuen Konzept am Kiosk: "Unser Einzelverkauf hat seither um zehn Prozent zugelegt", freut sich Joffrin. 2009 dürfte "Libération" noch einen kleinen Verlust von 300 000 Euro machen - 2008 hatte das Blatt ein Minus von 1,6 Mio. Euro verzeichnet. Steigende Verkäufe meldet auch der "Figaro". Da Frankreichs größte konservative Zeitung aber stärker von Werbeerlösen abhängig ist, dürfte der Verlust in diesem Jahr mit sechs Mio. Euro höher ausfallen als 2008.

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