Umstrittener Konzernumbau
Streik kümmert Telekom wenig

Die Mitarbeiter der Deutschen Telekom haben sich am Donnerstagmittag mit überwältigender Mehrheit für einen Streik ausgesprochen, um den Umbau des Konzerns zu verhinden. Doch der Konzern kann gelassen bleiben, da sind sich Branchenkenner sicher und nennen gute Gründe. Dagegen müssen ausgerechnet die Telekom-Konkurrenten bangen.

BONN. „Ein Streik wird der Telekom nicht in großem Stil schaden“, sagt Ulrich Prommer von der Unternehmensberatung Oliver Wyman, ehemals Mercer. Der Grund für die Gelassenheit: Die Hälfte der betroffenen Mitarbeiter sind Beamte und dürfen ohnehin nicht streiken, andere Arbeiten kann die Telekom auslagern oder mit Leiharbeitern überbrücken. „Der Konzern kann in den Gesprächen mit Verdi deshalb hart bleiben –und sollte es auch. Die Telekom muss diese Auseinandersetzung durchstehen und T-Service wie geplant umsetzen. Sie hat keine andere Wahl, in einem sehr schwierigen Marktumfeld auf sinkende Gewinne zu reagieren.“

Auch Analysten schätzen die Auswirkungen eines Streiks bei der Telekom als sehr gering ein. Frank Rothauge von Sal. Oppenheim ist überzeugt, dass die Telekom einen langen Atem hat, weil sie ihre Prozesse trotz Streiks so organisieren kann, dass sich die Beeinträchtigung der Kunden in Grenzen hält. Jochen Reichert vom Analysehaus SES Research geht davon aus, dass der Streik weder den Kundenschwund der Telekom beschleunigt, noch eine Gefahr für die bereits zwei mal korrigierte Gewinnerwartung für dieses Jahr darstellt. „Meiner Meinung nach hat Obermann in seiner Gewinnerwartung von 19 Mrd. Euro für das laufende Jahr 500 Mill. Euro Manövriermasse einkalkuliert“, sagt Reichert. Da müsste schon sehr viel passieren, damit dieses Ziel gefährdet wird.“

Berater Prommer geht sogar noch weiter: „Möglicherweise gereicht ein Streik der Telekom sogar zum Vorteil: Sie Kunden haben unter Umständen mehr Verständnis, wenn ein Telekom-Techniker wegen eines Streiks nicht kommt als wenn ein Fehler im Computersystem der Telekom dafür verantwortlich ist.“

Wettbewerber fürchten Streik

Peer Knauer, Vorsitzender des Bundesverbands Breitbandkommunikation (Breko) und Chef des jüngst an die Börse gegangenen Festnetzanbieters Versatel fürchtet sogar ganz um Gegenteil, dass gerade die Telekom-Wettbewerber unter dem Streik beim deutschen Marktführer leiden. Im Breko sind 40 Unternehmen organisiert, darunter auch der größte Telekom-Konkurrent Arcor. Sie alle mieten die letzte Meile bis in die Wohnzimmer der Kunden von der Telekom. „Es kommt darauf an, wo gestreikt wird“, sagt Knauer. „Wenn die Techniker streiken, die die letzte Meile schalten, dann kommen Kunden, die wir schon gewonnen haben, langsamer auf unser Netz.“

Verdi hat am Donnerstagmittag zum Streik aufgerufen, nachdem sich die Mitarbeiter in einer Urabstimmung mit 96,5 Prozent für die Arbeitsniederlegung ausgesprochen hatten. Sie protestieren damit gegen die Pläne von Konzernchef René Obermann, 50 000 Beschäftigte in neue Einheiten unter dem Dachnamen T-Service auszugliedern, wo sie für weniger Geld länger arbeiten sollen. Am Freitag beginnt der Ausstand.

Auch bei der kleinen Kommunikationsgewerkschaft DPV (DPVKOM) haben sich nach eigenen Angaben weit über 90 Prozent der Mitglieder für Streik ausgesprochen. „Die Menschen im Betrieb haben damit ein klares Votum gegen die überzogenen und konzeptionslosen Forderungen des Telekom-Vorstandes gesetzt“, sagte Bundesvorsitzender Willi Russ.

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