Unattraktive Gewinnmargen
Mittelstand für Oracle kein Thema

Nach überraschend starken Quartalszahlen sieht der Softwarekonzern Oracle keinen Grund, dem Erzrivalen SAP bei dessen Vorstoß in den Mittelstand zu folgen. Das Geschäft mit den mittelgroßen Unternehmen ist dem Konzern nicht lukrativ genug. Eine grundsätzliche Absage erteilte Oracle dem Mittelstand aber nicht.

HB BOSTON. In diesem Bereich seien die Gewinnmargen unattraktiv, sagte Oracle-Chef Larry Ellison am Donnerstag. Präsident Charles Philips betonte, der US-Konzern jage seinem deutschen Konkurrenten weiter Marktanteile ab. Mit einem Gewinnplus von 25 Prozent Oracle übertraf zum wiederholten Mal die Erwartungen. Die Aktie stieg am Freitag im Verlauf um fast 4,5 Prozent.

Oracle habe sich den Markt für mittelgroße Unternehmen genau angeschaut, sagte Ellison. „Wir werden beobachten, wie es SAP mit den kleinen Firmen ergeht.“ Das sei zwar grundsätzlich interessant, sagte Ellison. „Aber bislang hat niemand einen Weg gefunden, damit Geld zu machen.“ SAP erhofft sich von seiner neuen Mittelstandsoftware eine Umsatzsteigerung von rund einem Zehntel. Firmenchef Henning Kagermann hatte bei der Vorstellung von „Business ByDesign“ jedoch offengelassen, wie die Margen sich entwickeln werden.

Oracle-Präsident Philips sprach von einem Anstieg der Lizenzverkäufe im Anwendungsbereich um 65 Prozent, wo der Konzern nach SAP die Nummer Zwei ist. „Wir nehmen SAP weiter Marktanteile bei Anwendersoftware ab“, sagte Philips. Das Duell der Unternehmen findet seit Jahren auf mehreren Ebenen statt. So liefern sie sich einen erbitterten Rechtsstreit in den USA. Oracle wirft SAP den Diebstahl geistigen Eigentums vor, was die Walldorfer Softwareschmiede zurückweist.

Insgesamt stiegt der Oracle-Umsatz bei Softwarelizenzen um 35 Prozent, laut Finanzchefin Safra Catz das stärkste Quartalswachstum in zehn Jahren. Allerdings ließ ihr Ausblick einer Zunahme für das laufende Vierteljahr von 15 bis 25 Prozent einige Analysten stutzen. „In den vorherigen Quartalen war das Management beim Ausblick vergleichsweise aggressiv. Jetzt ist Oracle plötzlich konservativ“, sagte Martin Schutz von Hochfeld Independent.

CEO Ellison gab sich für das weitere Jahr jedoch gewohnt kämpferisch. Die Lizenzverkäufe bei Datenbanken und Middleware seien die höchsten seit sieben Jahren gewesen, sagte er. „Oracle hat IBM vor langer Zeit als das führende Datenbank-Unternehmen abgelöst“, sagte er. „Wenn unser Geschäft mit Middleware- Software weiter so wächst wie in diesem Quartal, wird Oracle bis Ende des Jahres IBM beim Middleware-Spitzenplatz herausfordern.“

Oracle profitierte im vergangenen Quartal von seinen zahlreichen Firmenübernahmen und deren Produkten, die er ein Jahr zuvor nicht im Angebot hatte. Zu den jüngsten Zukäufen zählen Hyperion Solutions, Stellent und MetaSolv. Seit 2005 hat Oracle Übernahmen im Gesamtwert von 20 Mrd. Dollar getätigt. Oracle steigerte den Nettogewinn im Quartal auf 840 Mill. Dollar. Ohne Sonderposten hat der Konzern damit in sechs der vergangenen sieben Quartale besser abgeschnitten als vorhergesagt. Der Umsatzanstieg von 26 Prozent auf 4,53 Mrd. Dollar ist sogar zum siebten Mal in Folge besser als erwartet. Für das laufende Quartal geht Oracle von einem Umsatzanstieg von 19 bis 21 Prozent aus, während von Reuters befragte Analysten im Schnitt nur 16 Prozent erwarten.

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