Unbefristeter Streik
Im Münchener Infineon-Werk steht die Produktion

Am Montag hat im Infineon-Werk München-Perlach der unbefristete Streik begonnen. Die Chancen, die Schließung zu verhindern, stehen jedoch fast gleich Null.

HB MÜNCHEN. Vor den Werkstoren versammelten sich am frühen Morgen mehrere hundert Arbeiter, die ihrem Unmut über die bevorstehende Schließung des Werkes mit Rufen „Wir bleiben hier, dafür kämpfen wir“, Pfeifkonzerten und Trommelschlägen Luft machten. „Ich bin seit 20 Jahren bei der Firma. Es geht hier um meine ganze Existenz“, sagte eine Mitarbeiterin. Infineon bekräftigte die Schließungspläne: Der Streik werde daran nichts ändern. Trotz des Streiks zeigten sich beide Seiten weiter verhandlungsbereit.

Europas größter Chiphersteller will das 20 Jahre alte Werk bis Anfang 2007 schließen, da sich dessen Modernisierung nicht lohne. Die Produktion der Chips für Spezialtechnologien soll nach Regensburg und Villach verlagert werden. Damit verlieren die meisten der 800 Beschäftigten ihren Arbeitsplatz.

Verhandlungen über einen Sozialplan waren zuvor gescheitert. Bei einer Urabstimmung hatten die in der IG Metall organisierten Beschäftigten in der vergangenen Woche mit 92,6 % für den Arbeitskampf gestimmt. Dieser begann am Montag eine Minute nach Mitternacht. Die IG Metall wollte verhindern, dass Infineon zur Aufrechterhaltung der Produktion Ersatzarbeiter vor Beginn der Frühschicht um sechs Uhr in das Werk bringen könnte. Dies sei gelungen, sagte Gewerkschaftsfunktionär Michael Leppek. „Die Produktion steht.“

„Wir halten grundsätzlich eine Mindestproduktion aufrecht“, sagte ein Sprecher dazu nur. Der Konzern sei für den Streik gerüstet. Um die Produktion aufrechtzuerhalten, hatte Infineon Mitarbeiter aus anderen Werken aufgerufen, nach München-Perlach zu kommen. Die Mitarbeiter in Dresden zeigten sich jedoch solidarisch: Die Aufrufe hätten keine Resonanz gefunden, teilte die IG Metall mit. Die Busse mit Streikbrechern, die am Morgen vorgefahren waren, drehten unverrichteter Dinge wieder um.

Auch aus anderen Münchener Großbetrieben wie MAN, BMW, Siemens, MTU oder der Volkswagen-Tochter Audi aus Ingolstadt erhielten die Perlacher Angestellten Rückhalt. „Ich bin aus Solidarität hier“, sagte ein MAN-Angestellter. „Das kann auch uns passieren.“ Mit der Schließung des Werks sei viel Leid verbunden, sagte eine Mitarbeiterin von Krauss Maffei. Viele der Angestellten in dem Werk arbeiten der IG Metall zufolge schon seit 15 bis 20 Jahren bei Infineon. Zwei Drittel von ihnen sind über 40 Jahre alt, weshalb sie befürchten, auf Grund ihres Alters keine neue Arbeit zu finden.

Mit dem Streik will die IG Metall den von ihr angestrebten Sozialvertrag für die Mitarbeiter durchsetzen. Die Gewerkschaft hatte eine Qualifizierungsgesellschaft für fünf Jahre, drei Monatsgehälter Abfindung je Beschäftigungsjahr und Ausgleichszahlungen für ältere Beschäftigte gefordert. Infineon habe aber nur eine Qualifizierungsgesellschaft über ein Jahr und eine Abfindung weit unter einem halben Monatslohn geboten. „Das war unzumutbar“, bekräftigte die Gewerkschaft. Infineon kritisierte, die Forderungen der IG Metall seien fünf bis sechs Mal so hoch seien wie üblich. Die Gewerkschaft hatte auf einer Verschiebung der Schließung um zwei Jahre bestanden. „Die Erfüllung dieser Forderung ist aus wirtschaftlichen Gründen für Infineon ausgeschlossen“, bekräftigte der Konzern.

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