Ungewöhnliche Maßnahmen
Web-Branche spürt Finanzkrise

Die Krise an den Finanzmärkten erwischt nun auch das Silicon Valley: Web-Unternehmen haben Probleme, frisches Geld zu bekommen, und wählen ungewöhnliche Maßnahmen, damit ihre Mitarbeiter bei der Stange bleiben.

DÜSSELDORF. Um Abwanderungstendenzen ihrer Belegschaft zu stoppen, erlauben die sozialen Netzwerke Facebook und Linked In ihren Angestellten, ab Herbst Aktienoptionen zu verkaufen. Maximal 20 Prozent der Optionen, die sie als Gehaltsbestandteil bekamen, dürfen sie abgeben – auch an externe Personen. Das berichten mehrere Branchendienste, die Unternehmen selbst reagierten auf Anfrage nicht.

Dabei berechnet Linked In, ein ähnlich wie das deutsche Xing auf das Geschäftsleben fokussiertes Netzwerk, seinen Firmenwert wohl mit 500 Mill. Dollar. Linked In erwartet 2008 mit 23 Millionen Mitgliedern 100 Mill. Dollar Umsatz. Facebook taxiert sich auf vier Mrd. Dollar bei 90 Millionen Nutzern und der Hoffnung auf 300 Mill. Einnahmen. Beide Firmen dürften im operativen Geschäft profitabel sein, veröffentlichen aber keine Details. Die Bewertung von Facebook macht die Krisensituation deutlich: Im Herbst 2007 hatte Microsoft bei der Übernahme eines kleinen Facebook-Anteils das Netzwerk mit 15 Mrd. Dollar bewertet.

Derzeit sind die Optionen der Mitarbeiter ohne Wert: Linked In will an die Börse, hat aber keine konkreten Pläne. Facebook will so lange wie möglich ein privat gehaltenes Unternehmen bleiben. Ohne Börsengang oder Verkauf an eine andere Firma aber sind die Optionen – die in der amerikanischen Web-Branche einen gewichtigen Teil der Entlohnung darstellen – praktisch wertlos. Für ihren Verkauf müssen die Mitarbeiter mutmaßlich Einzelverträge mit den Käufern abschließen.

Weil Aktienoptionen nicht mehr der große Reiz sind, um bei einem Arbeitgeber zu bleiben, rotiert der Jobmarkt im Silicon Valley so heftig, wie lang nicht mehr. Gerade etablierte, aber nicht börsennotierte Firmen wie Facebook kämpfen um Mitarbeiter. Denn kleine Start-ups bieten im Vergleich günstigere Optionsprogramme, Konzerne wie Google mehr Grundgehalt. Mancher wechselt auch, weil seinem Arbeitgeber das Geld ausgeht – ohne Hoffnung auf eine neue Finanzierungsrunde oder Verkauf.

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