US-Konzern Motorola
Jetzt klopfen die Inder an

Einst war der US-Konzern Motorola der Inbegriff von Innovation. Jetzt wird das traditionsreiche Unternehmen, das unter anderem das erste Mobiltelefon der Welt entwickelte, aufgeteilt, die verlustreiche Handysparte höchstwahrscheinlich verkauft. Im Gespräch ist bereits ein Unternehmen aus Indien.

MÜNCHEN / PORTLAND. Von BenQ hatten die meisten Menschen in Deutschland vor drei Jahren noch nie etwas gehört. Das änderte sich erst, als der damalige Siemens -Chef Klaus Kleinfeld im Juni 2005 ankündigte, den Taiwanern sein verlustreiches Handy-Geschäft zu schenken. So wie es damals den Deutschen ging, so dürften jetzt auch viele Nordamerikaner staunen angesichts der fremden Namen, die auf einmal als Käufer des Mobilfunkbereichs des US-Konzerns Motorola ins Gespräch kommen.

Am gestrigen Dienstag kündigte die indische Videocon Group an, über ein Angebot für die hoch defizitäre Sparte nachzudenken. Allerdings sei der Elektronikproduzent aus Aurangabad noch ganz am Anfang seiner Überlegungen, sagte der Besitzer Venugopal Dhoot der Nachrichtenagentur Bloomberg. Der Manager betonte jedoch, dass Videocon auf jeden Fall an einer Handyfertigung interessiert sei, um seine eigene Wertschöpfungskette zu verlängern.

Dass Angebote indischer Unternehmen durchaus ernst zu nehmen sind, hat sich erst vergangenen Monat gezeigt, als der US-Autohersteller Ford seine Nobelmarken Jaguar und Land Rover an Tata Motors aus Indien verkauft hat. Allerdings müsste Videocon sehr tief in die Tasche greifen: Die US-Investmentbank Merrill Lynch schätzt den Wert des Handygeschäfts von Motorola auf 3,8 Mrd. Dollar. Vergangene Woche hat Motorola -Chef Gregory Brown angekündigt, den traditionsreichen amerikanischen Technologiekonzern aufzuteilen. Unter dem Druck des New Yorker Großanlegers Carl Icahn, der fast 6,5 Prozent der Aktien hält, will Brown die verlustreiche Handysparte abtrennen und sich ganz auf das profitable und wachstumsstarke Geschäft mit TV-Empfängern, Mobilfunknetzen und Barcode-Scannern konzentrieren.

Brown spielt dabei allerdings auf Zeit. Denn erst kommendes Jahr soll Motorola zerschlagen werden. Icahn monierte sofort den lang gestreckten Zeitplan für die Abspaltung des notleidenden Bereiches, der gut die Hälfte des Konzernumsatzes von zuletzt 37,5 Mrd. Dollar (knapp 27 Mrd. Euro) erwirtschaftet.

Beobachter schließen nicht aus, dass Brown hofft, eine drastische Reorganisation und ein Geniestreich wie einst das Handy-Modell "Razr" könnten der Sparte neues Leben einhauchen. Offiziell heißt es, dass durch die geplante Entflechtung kompetente Managern leichter angeworben werden könnten, weil sie künftig unabhängiger auftreten dürfen. Der Weg zum Erfolg führe für das Handygeschäft über die Befreiung von überkommenen Konzernverflechtungen.

Verschiedene namhafte Manager soll der Konzern bereits für die neu geschaffene Spitzenposition angefragt haben, darunter den ehemaligen Motorola -Manager und heutigen Chef von Nortel Networks, Mike Zafirovski. Alle haben sie abgewunken.

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