Valley Voice
Warten auf den ersten Billionär

Der erste Mensch mit einem Privatvermögen in Höhe von einer Billion US-Dollar steht in den Startlöchern. Daran gibt keine Zweifel. Hervorbringen wird ihn die Tech-Industrie – aber nicht das Silicon Valley.
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San FranciscoEine ganz normale Woche in Kalifornien. Elon Musk schießt einen Satelliten ins All, und die Rakete kommt brav zurück in den Raumhafen. Das ermutigt ihn jetzt einen Tunnel unter Los Angeles zu graben, in denen Autos auf Schwebekissen quer durch die Stadt rasen. Die Autos kommen durch Aufzüge nach unten und oben. Niemand hätte gedacht, dass der gute, alte Elbtunnel von Hamburg dem Silicon Valley einmal als Vorbild dienen wird. Mark Zuckerberg baut derweil auf seiner Goodwill-Tour durch Amerika in Michigan bei Ford Pick-up-Lastwagen zusammen und fährt in Wisconsin Traktor, um wieder mit dem richtigen Leben in Kontakt zu kommen.

So richtig vermisst ihn auch gerade niemand hier, Facebook brummt, aber er ist auch noch nicht groß und wichtig genug, um in das ultimative Rennen dieser Tage einzugreifen. Marc Cuban, selber Tech-Multimilliardär, sagt voraus, dass der erste waschechte Billionär – eine Billion ist eine 1 mit zwölf Nullen – aus der gerade erst beginnenden Welt der künstlichen Intelligenz entspringen wird. Bislang gehen Analysten und Mathematiker davon aus, dass Bill Gates irgendwann in den 2040er-Jahren der erste Billionär sein wird. Einfach nur, weil er sein Geld nicht schnell genug ausgeben kann. Es ist sozusagen gar nicht zu verhindern, obwohl er immer noch 915 Milliarden Dollar braucht.

Allerdings könnte er tatsächlich doch auf dem zweiten Platz landen. Der Nettowert des Vermögens von Amazon-Chef Jeff Bezos liegt aktuell nur noch rund fünf Milliarden Dollar unter dem von Gates, und was hat ihn dahin gebracht? Die Cloud-Computing-Tochter AWS, die Rechenleistung, Speicher und Software für Unternehmen im Internet anbietet. Auch Datenanalyse und künstliche Intelligenz hat der Konzern im Programm. Das sind übrigens auch die Zutaten, die Microsoft wieder auf die Überholspur gebracht haben. Cloud, Big Data und künstliche Intelligenz.

Es ist schon fast ein Treppenwitz des Silicon Valleys, dass Außenseiter und Branchenfremde jetzt um die ultimative Krone im Technologie-Olymp streiten. Bezos, der Buch- und Plattenverkäufer, und Bill Gates, vertreten durch Microsoft-Chef Satya Nadella, der immer im ruhigen Seattle im Bundesstaat Washington geblieben ist. Stets in angemessener Entfernung zum Hexenkessel zwischen San Francisco und San José.

Die Lokalmatadore hingegen fallen langsam zurück. Larry Ellison, der gezeigt hat, wie man mit der langweiligsten Technologie der Welt – relationale Datenbanken – zu einem der reichsten Menschen der Welt aufsteigen kann. Larry Page und Sergey Brin, die Google-Gründer, die die Welt verändert haben. Trotzdem sind sie immer noch nicht weitergekommen, als eine Werbefirma zu leiten. Außer Werbeeinnahmen gibt es nichts Relevantes im Hause Alphabet.

Google-Chef Sundar Pichai wird sich bohrende Fragen anhören müssen. Das Cloud-Geschäft und die Künstliche Intelligenz sind der Datenfirma Google praktisch wie auf den Leib geschneidert. Das ist das zweite Standbein, nachdem gesucht wird. Und doch sind drei Vorstöße bislang kläglich gescheitert.

Während also das Silicon Valley den Kampf um den reichsten Menschen der Welt praktisch schon verloren hat, ist es doch zumindest ein Sieg der Technologie über die Wall Street. Niemand glaubt ernsthaft, ein Hedgefonds-Manager, ein „Wolf der Wall Street“ oder ein Anleihehändler im Nach-Brexit-London wird noch einmal in das Rennen eingreifen können. Selbst die Familie Walton – so reich sie auch ist – wird mit Walmart den Milliardärsstatus kaum noch verlassen.

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Der Kampf der Hyperreichen

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