Verdi pocht auf Arbeitsplatzgarantie für 144 Mitarbeiter des Berliner Nachrichtensenders
Mitarbeiter protestieren gegen Umbau von N-TV

Rote Gewerkschaftsfahnen vor der Berliner Repräsentanz des Mediengiganten Bertelsmann: Der für September geplante Umzug des Nachrichtensenders N-TV von Berlin nach Köln sorgt unter den Mitarbeitern für Unmut.

DÜSSELDORF. Mit einer Protestkundgebung vor dem Konzerngebäude Unter den Linden 1 machten sie ihrem Ärger über den Umbau des zur RTL-Gruppe gehörenden Nachrichtensenders Luft.

Verdi fordert von RTL – zu über 90 % im Besitz von Bertelsmann – eine Arbeitsplatzgarantie für die verbleibenden 144 N-TV-Beschäftigten. 120 sollen künftig in Köln arbeiten, 24 in Berlin. Zu dieser Arbeitsplatzgarantie ist RTL aber nicht bereit. Das machte N-TV-Aufsichtsratschef Hans Mahr gestern den Demonstranten klar, wie Teilnehmer bestätigten.

Derzeit verhandelt die N-TV mit dem Betriebsrat über einen Sozialplan des defizitären Senders. Ein N-TV-Sprecher wollte gestern den Verlust von 90 Arbeitsplätzen durch den Umzug nach Köln nicht bestätigten. Diese Zahl war von Verdi genannt worden. Derzeit verhandelt die N-TV-Geschäftsführung mit dem Betriebsrat über einen Sozialplan. Zu Details äußersten sich beide Seiten allerdings nicht.

Verdi fordert für die N-TV-Mitarbeiter Abfindungen in Höhe von mindestens 1,5 Monatsgehältern pro Beschäftigungsjahr für jeden Gekündigten. Das Misstrauen wegen des Umzugs unter den Beschäftigten ist groß. „RTL kann alles alleine produzieren, die brauchen nur die Marke N-TV“, sagte Verdi-Medienexperte Dietrich Peters. In Köln errichtet RTL ein neues digitales Sendezentrum für rund 10 Mill. Euro, um die Kosten weiter zu drücken. Der 1991 gegründete Nachrichtensender N-TV ist mit Verlusten von über 20 Mill. Euro (2003) das größte Sorgenkind von RTL. Mit einem rigorosen Sparkurs und Personalabbau will N-TV-Chef Johannes Züll den Sender, der derzeit einen Marktanteil von 0,6 % hat, in die Gewinnzone führen. Wie N-TV gestern mitteilte, liegen die Werbeeinnahmen in den ersten Monaten im Plan.

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa
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