Verhandlungen
Telekom-Tarifstreit eskaliert

Die Deutsche Telekom muss sich auf weitere Warnstreiks einstellen. Die Verhandlungen mit der Gewerkschaft Verdi sind erneut gescheitert. Nun soll ein Schlichter die Parteien zusammenführen.
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BonnDie Telekom will im Tarifkonflikt mit Verdi für die rund 17.000 Beschäftigten bei der Bonner Zentrale die Schlichtung anrufen. Personalvorstand Thomas Sattelberger sehe keine Chancen mehr für eine Einigung, begründete der Konzern am Montag in Bonn den Schritt. Die Gewerkschaft Verdi hatte zuvor mit einer Ausweitung der Warnstreiks gedroht. Als Kandidat für den Schlichter-Posten gilt nun der frühere Hamburger Bürgermeister Henning Voscherau, der bereits 2011 einen Kompromiss zwischen beiden Seiten ausgehandelt hatte. Die Verhandlungen für die Beschäftigten der Telekom Deutschland GmbH und der IT-Sparte T-Systems sollen hingegen in der nächsten Woche in der vierten Verhandlungsrunde fortgeführt werden. Die Telekom will einem Sprecher zufolge dann ein konkretes Angebot vorlegen.

Die Gewerkschaft fordert für die insgesamt rund 85.000 Telekom-Beschäftigten in Deutschland 6,5 Prozent mehr Gehalt bei einer Laufzeit von zwölf Monaten. Für die unteren Tarifgruppen will sie eine tarifliche Mindestanhebung durchsetzen. Um den Druck auf den Konzern in dem festgefahrenen Konflikt zu erhöhen, waren am Montag Verdi zufolge bundesweit rund 6.000 Telekom-Beschäftigte in einen vierstündigen Warnstreik getreten.

Einem Telekom-Sprecher zufolge war das Unternehmen aber gut auf den Ausstand vorbereitet. Es habe für die Kunden keine merklichen Auswirkungen gegeben. Nach den Plänen der Gewerkschaft sollen am Dienstag erneut rund 6.000 Telekom-Beschäftigte zeitweise ihre Arbeit niederlegen. Die Warnstreiks bei der Zentrale würden aber jetzt ausgesetzt. Verdi kündigte zudem für diesen Donnerstag eine Sitzung der Großen Tarifkommission an. Dort soll über das weitere Vorgehen beraten werden.

Kostensenkungen sind Gebot der Stunde

Die Telekom wies die Forderungen der Gewerkschaft als weder begründbar noch vertretbar zurück. Gehaltserhöhungen von 6,5 Prozent würden den Konzern rund 500 Millionen Euro pro Jahr kosten. Kostensenkungen seien hingegen das Gebot der Stunde. Bei der Zentrale seien weitreichende Einschnitte und Kosteneinsparungen geplant. Der Wettbewerbsdruck sei momentan massiv. Die Kosten der Zentrale und ihrer Service-Bereiche seien wegen der zunehmenden Regulierung und dem Preisverfall für Telekom-Dienste nicht mehr zu verrechnen. In diesem Umfeld verschärften die Verdi-Forderungen den Druck auf die Umsetzung von Sparschritten und Personalabbau. Ursprünglich sollte am Mittwoch und Donnerstag die vierte Verhandlungsrunde mit Gesprächen über die Gehälter bei der Konzernmutter Deutsche Telekom AG beginnen.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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