Verkauf des 20-Prozent-Pakets an Ubisoft könnte Konsolidierung im Spielemarkt vorantreiben
Electronic Arts greift nach Ubisoft

Der kalifornische Videospielekonzern Electronic Arts greift mit einem Überraschungscoup nach einem der schärfsten Konkurrenten auf dem europäischen Markt. Mit dem Erwerb von 19,9 Prozent am französischen Konkurrenten Ubisoft S.A. vom Medienmilliardär John de Mol („Big Brother“) weitet „EA“ seinen Einfluss auf dem Markt für digitale Unterhaltung aus.

DÜSSELDORF. Pikant: Ubisoft („Tom Clancy - Splinter Cell“) galt wie EA („Die Sims“; „Fifa 2005“) als Interessent für die angeschlagene britische Softwarefirma Eidos plc („Tomb Raider“). Eidos hatte vor kurzem bekannt gegeben, in der Endphase der Käufersuche zu sein.

Der Kauf der Anteile stehe noch unter Vorbehalt der Genehmigung durch das US-Kartellamt, teilte EA in einer Mitteilung an die US-Börsenaufsicht mit. Ubisoft wurden am frühen Montag vom Handel in Paris ausgesetzt, nachdem die Aktie massiv gestiegen war. Unbestätigten Informationen zufolge soll EA rund 90 Mill. Euro für das Paket bezahlt haben. Analysten und Beobachter der Videospieleszene schließen einen Übernahmekampf nicht mehr aus.

Laurent Viviez, Senior Associate bei Booz Allen Hamilton in Paris: „Das dürfte erst der Anfang sein. Aus Sicht von EA dürfte nur eine Konsolidierung beider Unternehmen die gewünschten Synergieeffekte ermöglichen.“

EA-Unternehmenssprecher Jeff Brown will so weit nicht gehen. „Das Aktienpaket war auf dem Markt und wir haben es erworben, um unsere Optionen auf die Zukunft offen zu halten.“ Zu diesem Zeitpunkt gebe es keinerlei Übernahmepläne, Synergien oder Zusammenarbeit: „EA und Ubisoft werden weiter auf dem Markt konkurrieren.“ Ein reines Investment also: EA habe zwei Milliarden Dollar in bar und Reserven, sowie keine Schulden.

Der PC- und Videospielemarkt befindet sich allerdings in einer weltweiten Konsolidierungsphase. Die Spieleentwicklung wird immer teurer, kleinere Firmen können das Geld für Produktionen und Sport- und Filmlizenzen nicht mehr aufbringen. Mit der nächsten Generation der Videokonsolen von Sony („Playstation 3“) und Microsoft („X-Box 2“) Ende 2005 wird sich der Finanzbedarf weiter verschärfen, erwarten Marktanalysten. Laut Ubisoft-CEO Yves Guillemot liegen die Entwicklungskosten schon heute im Schnitt bei drei Mill. Euro pro Spiel.

Das Geschäft ähnelt in seiner Unberechenbarkeit dem Filmbusiness in Hollywood: Spiele, deren Entwicklung Millionen Euro verschlingt, können komplette Flops werden – oder hunderte Millionen einspielen. Vom Microsoft-Spiel „Halo 2“ für die X-Box etwa wurden in nur 48 Stunden Kopien für über 100 Mill. Dollar verkauft.Anders als in Hollywood, wo nur noch wenige große Studios regieren, ist die Branche aber noch viel zu zerklüftet, sagt Consulter Viviez.

Für EA – Jahresumsatz 2,5 Mrd. Dollar – gehört Europa erklärtermaßen zu den stärksten Wachstumsmärkten und könnte nach Einschätzung von Jens-Uwe Intat, Geschäftsführer Zentraleuropa, sogar die USA als größten Absatzmarkt überholen. Da würde die französische Ubisoft – Jahresumsatz gut 500 Mill. Euro – gut ins Portfolio passen.

Während EA bei Sportspielen und Hollywoodlizenzen stark ist, hat Ubisoft Expertise bei Actionspielen und ist bei Online-Spielen aktiv. Neben einer Beteiligung an der Handy-Spielefirma Gameloft S.A., betreibt Ubisoft zusammen mit Sony Online Entertainment Inc. das Multiplayer-Rollenspiel „Everquest“, nach eigenen Angaben das meist gespielte Online-Rollenspiel der USA. EA hat starke Bande zu Sony Computer Entertainment: Der Konzern ist Marktführer bei „PS2“-Software, noch vor Sony.

Es werde noch viele Übernahmen geben, prognostiziert Analyst Viviez. „Interessant wird sein, wer am Ende die Macht in der Branche hat. Hardwarehersteller wie Sony und Microsoft mit ihren Plattformstrategieen oder die Inhalteanbieter.“ Für beide geht um ein Milliardengeschäft.

Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett
Axel Postinett
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