Verkaufsverbot
Apple will Samsung-Handys vom Markt wischen

Nach dem Sieg im Patentstreit geht Apple weiter gegen Samsung vor. Das US-Unternehmen beantragt ein Verkaufsverbot für acht Handy-Modelle der Koreaner. Der Streit zieht eine Diskussion über Patent-Verfahren nach sich.
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San Francisco/San JoseApple hat nach dem Sieg im kalifornischen Patentprozess gegen Samsung ein Verkaufsverbot für acht Smartphone-Modelle des südkoreanischen Rivalen beantragt. Darunter sind sechs Geräte der Smartphone-Reihe Galaxy S sowie die Geräte Droid Charge und Galaxy Prevail, wie aus Gerichtsunterlagen hervorgeht. Das Modell Galaxy S2 ist für Samsung sehr wichtig als günstigeres Top-Gerät. Richterin Lucy Koh setzte eine Anhörung zu dem Fall für den 20. September an.

Die Geschworenen in dem US-Prozess hatten die Verletzung von Apple-Patenten durch mehr als 20 Samsung-Smartphones festgestellt. Viele davon spielen am Markt aber kaum noch eine Rolle, da die Klage von Frühjahr 2011 stammt.

Apple hatte sich in dem Prozess nahezu auf voller Linie gegen Samsung durchgesetzt und rund 1,05 Milliarden Dollar (838 Millionen Euro) Schadenersatz zugesprochen bekommen. Die Südkoreaner wollen weiter gegen die Geschworenen-Entscheidung ankämpfen.

Der Kurs der Samsung-Aktie stürzte an der Börse in Seoul um 7,5 Prozent ab - der größte Verlust eines Tages seit fast vier Jahren für Samsung. Auch die Aktien anderer asiatischer Smartphone-Hersteller, die auf Android setzen, verloren an Wert.

Die Apple-Aktie hingegen stieg am Montag auf ein neues Allzeithoch. Nach Handelsbeginn kletterte der Kurs vorübergehend auf 680,87 Dollar und schloss später bei 675,68 Dollar und damit bei einem Plus von 1,9 Prozent.

Die juristische Auseinandersetzung zwischen Apple und Samsung ist nur eine von vielen, die Zahl der Patentklagen ist gerade im Techniksektor in jüngster Zeit geradezu explodiert. Zahlen der Beratungsfirma PriceWaterhouseCoopers deuten darauf hin, dass Patentstreitigkeiten drastisch zugenommen haben. So seien zwischen 2006 und 2010 insgesamt 182 Klagen im Bereich Elektronik, Software und Telekommunikation eingereicht worden. In den fünf Jahren zuvor waren es 77.

Zunehmend werden die Prozesse auch vor Geschworenengerichten geführt statt nur vor Richtern. Ein Grund ist wohl, dass die Geschworenen im Allgemeinen dem Sieger mehr Schadensersatz zubilligen als Richter. Dass unterlegene Parteien dann eine Reform des Patentsystems anmahnen, ist klar, aber auch Juristen stellen die Frage, ob normale Bürger in so wichtigen und hochkomplexen Fällen Urteile fällen sollten. "Das ist die große Frage und darum dreht sich ein Großteil der gegenwärtigen Debatte", sagt Jura-Professor Mark McKenna von der Universität Notre Dame.

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Warum Juristen Jury-Urteile in Patentfällen anzweifeln

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  • Nachtrag (habe ich oben vergessen, zu schreiben):
    Eine amerikanische Firma, die die Welt mit ihren hinterwälderischen und vorsintflutlichen Moralbegriffen beglücken will, braucht kein klar denkender Mensch.
    http://www.spiegel.de/netzwelt/gadgets/zu-viel-nackte-haut-apple-entfernte-nachrichten-app-aus-online-shop-a-663123.html
    Was ich zu Leuten zu sagen habe, die sich um 4 Uhr morgens vor einem Appleladen hinstellen, um nur ja einer der ersten zu sein, der das neuste Apple Spielzeug kaufen kann, ist nicht druckreif. Meiner Meinung nach geht da der gesunde Menschenverstand den Bach runter.
    Ich hab noch immer mein 7 Jahre altes Uralthandy (seinerzeit 8 Euro Teil mit 5 Euro Guthaben :-) ), mit dem man telefonieren kann und sonst nichts. Tut's noch lange und reicht völlig aus, um unterwegs erreichbar zu sein.

  • Nachtrag: bezieht sich auf Beitrag @Mintkatze

  • Was Sie da schreiben klingt ja sehr apokalyptisch. Ich glaube auch nicht, dass Apple von einem Underdog wie Ubuntu angegriffen werden könnte.

    Wissen Sie, wenn man als Unternehmen einen Kundenstamm unterhält, der möglichst nichts zahlen will, dann kann man auch nichts verdienen. Apple hat jahrzehntelang konsequent an einem zahlenden Kundenstamm gearbeitet.

    Wenn von Apple im Hinblick auf Größenverhältnisse falsche Angaben und Bilder bei Gericht eingereicht werden, so ist dies eine übliche - wenn auch sehr schlechte - Prozesstaktik. Da würde ich die Emotionen nicht so hoch kochen lassen.

    Apple wird auch in den nächsten Jahren ein sehr starkes Unternehmen bleiben, nur eben eines, dass den ersten Platz des Marktführers verteidigen muss.

    Diesen Kampf hat bisher jedes Unternehmen verloren und diesen Kampf wird auch Apple nicht bestehen können. Dies kann schon heute als gesichert gelten. Eine Apokalypse-Apple wird es aber nicht geben. Wozu sollte es sie auch geben?

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