Verluste
Online-Sportportalen fehlt das Geschäftsmodell

Online-Sportportale wechseln derzeit schneller den Besitzer als Fussball-Sammelbildchen. Doch mit den Livetickern und Spielberichten im Internet lässt sich bisher nur wenig Geld verdienen. Die Betreiber hoffen auf eine Lockerung des Werbeverbots für Glücksspiele.

HAMBURG. Alexander Marx sah sich gezwungen, einige Dinge klarzustellen. Er sei zuletzt des Öfteren gefragt worden, ob sich durch die Umbenennung von Premiere in Sky auch beim Online-Sportportal Spox.com, an dem der Bezahlsender beteiligt war, etwas Grundlegendes ändere. „Die Antwort ist nein“, notierte der Spox-Chefredakteur in seinem Blog. „Alles bleibt so, wie es ist.“

Die gravierenden Veränderungen hat Spox bereits hinter sich. Im April übernahm der bis dato in der Branche unbekannte Finanzinvestor Cresces die komplette Beteiligung von Gründungsgesellschafter Premiere (jetzt Sky). Zwei Monate später verkaufte auch Außenwerber Ströer, der mit seiner Tochter Media Ventures 18,3 Prozent an Spox hielt, seine Anteile. Cresces hält nun 52 Prozent, die restlichen 48 Prozent teilen sich die Geschäftsführer Manuel Lopez und Rüdiger Schulze. „Wir haben uns finanziell freigeschwommen und sind froh, einen Investor wie Cresces gefunden zu haben“, sagt Lopez.

Was bei dem vor knapp zwei Jahren gestarteten Sportportal vonstatten ging, ist nur ein Beispiel von vielen. Im Markt der Sportportale im Internet ist so viel Bewegung wie lange nicht mehr. Im vergangenen Jahr ist der Verlag Axel Springer bei Transfermarkt.de eingestiegen und hält seitdem 51 Prozent. Die Sportrechte-Agentur IMG hat sich von ihrer hundertprozentigen Tochter Sportal getrennt, und der Online-Ableger des Fachblatts „Kicker“, eine der führenden Fußballseiten im Netz, sucht einen neuen Vermarkter.

Zudem halten sich in der Branche Verkaufsgerüchte rund um Sport1, das mehrheitlich zu Constantin Medien gehört. Zwar will das Unternehmen die Spekulationen nicht kommentieren. Es ist aber kaum zu verheimlichen, dass Sport1 bereits mehreren Medienhäusern, darunter Springer und Burda, angeboten wurde. Verhandlungsbasis: angeblich knapp 20 Mio. Euro.

Der Grund für die Unruhe: „Sport ist ein Geschäftsbereich, in dem immer mehr Player mitmischen und sich ähnlich aufstellen. Da ist der harte Verdrängungswettbewerb am Markt, den wir derzeit erleben, die logische Folge“, sagt Patrick Zeilhofer, der bis Februar 2008 Geschäftsführer von Sport1 war. Er prophezeit: „Einige Anbieter werden diesen Kampf nicht überleben.“

Die Werbekrise hat die Sportportale hart getroffen. „Tragfähige Refinanzierungsmodelle müssen erst noch implementiert werden“, sagt Rudolf Vidal, seit Juli Leiter der Webseite Fussball.de, hinter der der Deutsche Fußball-Bund und die Deutsche Telekom stehen. Schwarze Zahlen schreibt auch sein Unternehmen noch nicht.

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