Veruntreuung von Werbegeldern
Skandal schürt Misstrauen gegen Mediaagenturen

Die Betrugsvorwürfe gegen den ehemaligen Chef von Deutschlands zweitgrößter Mediaagenturgruppe werfen einen Schatten auf die ganze Branche. Aleksander Ruzicka soll bei Aegis Media Werbegelder in zweistelliger Millionenhöhe unterschlagen haben, so lautet der Verdacht der Staatsanwaltschaft Wiesbaden.

DÜSSELDORF. Sie sind die Scharniere im Werbegeschäft: Mediaagenturen beraten Firmen, wie sie die Werbeetats auf verschiedene Medien streuen sollen, und buchen Plätze für TV-Spots oder Anzeigen – ein Milliardengeschäft. „Der Aegis-Skandal hat das Misstrauen gestärkt, ob es im Umgang mit Freispots immer mit rechten Dingen zugeht“, heißt es bei einem großen deutschen Printkonzern.

Der Chef des größten privaten Radiovermarkters RMS, Wilfried Sorge, mahnt: „Es hat sich in den vergangenen Jahren ein System entwickelt, das einen solchen Betrug überhaupt ermöglicht hat.“ Die Mediabranche weist solche Vorwürfe zurück und spricht von einem „Fehlverhalten Einzelner“.

Die Vorgeschichte: Nach einer anonymen Anzeige im Jahr 2005 ermittelte die Staatsanwaltschaft Wiesbaden gegen den Ex-Aegis-Media-Chef Ruzicka und acht weitere Personen. Nach Hausdurchsuchungen im September 2006 folgten im Oktober die ersten Haftbefehle.

Insgesamt wurden nach Auskunft von Oberstaatsanwalt Hartmut Ferse sieben Haftbefehle ausgestellt. Vier der Verdächtigen sitzen in Haft, darunter auch Ruzicka sowie – seit voriger Woche – der Wiesbadener Steueranwalt Cornelius Weber. Binnen eines halben Jahres will die Staatsantwaltschaft Anklage erheben.

In dem Mediakrimi geht es um die mutmaßliche Veruntreuung von Werbegeldern. Medien gewähren Mediaagenturen für das Platzieren von Werbespots und Anzeigen bestimmte Rabatte, meist in Form von Freispots. Diese Gratis-Werbezeiten sollen die Mediaagenturen an ihre Kunden, die werbetreibenden Unternehmen, weiterleiten.

Die Ermittler werfen Ruzicka vor, die Rabatte – Kickbacks genannt – über ein kompliziertes Firmennetz geschleust und teuer weiterverkauft zu haben. Der Millionengewinn soll in den Taschen der Verdächtigen gelandet sein. „Wir haben dringenden Verdacht, sonst hätten wir keine Verhaftungen“, sagt Ferse.

Seite 1:

Skandal schürt Misstrauen gegen Mediaagenturen

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%