Video- und Computerspiele
Milliardenmarkt für gebrauchte Spielesoftware boomt

Wenig gespielt und günstig abzugeben: Das Geschäft mit gebrauchten Video- und Computerspielen boomt, sehr zum Ärger der etablierten Spielehersteller. Diese basteln an Gegenmaßnahmen – beliebt ist eine Kombination aus DVD und Online-Anbindung.

DÜSSELDORF. „In bar gibt es für das Spiel sechs Euro.“ Der Verkäufer in der Gamestop-Filiale in Düsseldorf weiß, dass das Angebot nicht gerade verlockend ist. Er selber verkauft das Nintendo-Spiel „Dragonballz Goku Densetsu“ für 22 Euro – als Gebrauchtsoftware. Neu kostet der Klassiker im japanischen Mangastil von 2007 sogar 35 Euro. Er macht einen Kompromissvorschlag: „Wenn Sie was Neues mitnehmen, schreibe ich Ihnen 13 Euro gut“, verspricht er und zeigt auf das riesige Angebot in den Regalen, vom PC-Spiel für ein paar Euro bis zur Videokonsole für hunderte Euro.

Der Zweitmarkt für Video- und Computerspiele boomt. Colin Sebastian von Lazard Capital Market schätzt, dass alleine Marktführer Gamestop – die weltweit größte Handelskette nur für Video- und Computerspiele – 2009 über zwei Mrd. Dollar Umsatz nur mit gebrauchter Ware machen wird. Er empfiehlt die Aktie zum Kauf. Spielehersteller sehen das Treiben dagegen mit Verärgerung. Manche fordern schon einen Verbot des Zweithandels. Aber das wäre so, als wolle man den Gebrauchtwagenhandel verbieten, um Opel zu retten.

Auf Anfrage des Handelsblatts wollten sich weder Branchenriesen wie Ubisoft oder Electronic Arts äußern, bei Sony Deutschland („Playstation“) heißt es nur „Kein Kommentar“. Marty O’Donnel vom Studio Bungie in den USA wird deutlicher. Er zeichnet für den Audio-Teil von „Halo 3“ verantwortlich, ein Spiel für Microsofts Konsole Xbox360, das in der ersten Verkaufswoche 300 Mio. Dollar Umsatz erzielt hat und rege gebraucht gehandelt wird. „Die Auswirkungen des Zweitmarkts sind schwer einzuschätzen“, räumt er ein, er halte sie für „enorm“. Es sei nicht einzusehen, warum Entwickler nicht daran beteiligt seien. Mit anderen Worten: von jedem Gebrauchtverkauf soll dem Hersteller ein Anteil zufließen.

Heiko Hubertz vom Hamburger Anbieter Bigpoint schüttelt da nur den Kopf: Das sei „völliger Unfug“, sagt er im Gespräch mit dem Handelsblatt. „Das ist höchstens der verzweifelte Versuch, ein auslaufendes Vertriebsmodell am Leben zu erhalten.“ Bigpoint bietet nur noch Online-Spiele an.

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