Viertes Geschäftsquartal
Oracle meistert Krise besser als Rivale SAP

Ohne Währungseffekte wäre der Gewinn des US-Softwarehersteller Oracle im vierten Quartal gestiegen. So hat der SAP-Konkurrent weniger Umsatz und Gewinn ausgewiesen als im Vorjahr. Die Markterwartungen übertraf Oracle dennoch.

MÜNCHEN. Die weltweite Wirtschaftskrise macht dem Softwarekonzern Oracle deutlich weniger zu schaffen als seinem Erzrivalen SAP. Der Umsatz der Amerikaner mit neuen Lizenzen ging im vierten Quartal ihres Geschäftsjahrs (zum 31. Mai) lediglich um 13 Prozent zurück, wie Oracle am späten Dienstagabend mitteilte. SAP hingegen musste zum Jahresbeginn einen Einbruch um ein Drittel hinnehmen.

Allerdings sahen die Anleger die überraschend guten Zahlen von Oracle gestern auch als positives Zeichen für den deutschen Konkurrenten: Der Aktienkurs von SAP kletterte um zwei Prozent auf rund 28,60 Euro. Damit entwickelten sich die Papiere in einem freundlichen Umfeld etwas besser als der Dax. Der Oracle-Kurs gewann im frühen Handel in New York sogar fast sechs Prozent auf 21 Dollar.

Ausschlaggebend für das Plus beider Aktien waren nicht nur die Quartalszahlen, mit denen Oracle die Erwartungen der Analysten an der Wall Street übertraf. Hinzu kamen optimistische Aussagen des Managements: „Unsere Kunden begreifen, dass das Geschäft weiter geht und sie nach vorne blicken müssen“, sagte Oracle-Präsidentin Safra Catz. Deshalb investierten sie jetzt wieder verstärkt in neue Software.

Analysten werten dies als ausgesprochen positives Zeichen. „Viele Softwarefirmen haben ihre Kosten im laufenden Abschwung kräftig reduziert. Wenn das Geschäft nun anzieht, könnten die Gewinne wieder steigen“, urteilten gestern die Experten von Unicredit. Und noch etwas sei wichtig: Die großen Softwarehersteller stünden vergleichsweise gut da, weil das Geschäft mit der Wartung der Programme wachse.

So auch bei Oracle: Im Abschlussquartal des Geschäftsjahrs ist zwar der Verkauf neuer Software um 13 Prozent auf 2,7 Mrd. Dollar (1,9 Mrd. Euro) gesunken. Die Analysten hatten jedoch ein Minus von 18 Prozent befürchtet. Die Einnahmen aus dem Servicegeschäft stiegen hingegen im Vergleich zum Vorjahr um acht Prozent auf rund drei Mrd. Dollar. SAP hatte im ersten Quartal einen Anstieg von 18 Prozent auf diesem Feld zu verzeichnen.

Dass SAP im Kerngeschäft, dem Verkauf neuer Lizenzen, stärker gelitten hat als der bedeutendste Wettbewerber, belegt nach Ansicht von Experten die nach wie vor große Abhängigkeit des Konzerns von Megaaufträgen. SAP ist der weltweit führende Anbieter von Programmen zur Steuerung von Unternehmen. Die wichtigsten Kunden sind Konzerne, im Mittelstand dagegen tut sich SAP schwer. Oracle versucht seit Jahren, die Walldorfer hier zu überholen – bislang ist das nicht gelungen. Darüber hinaus ist der Konzern aus Amerika aber stark in Datenbanken und einigen anderen Bereichen, in denen SAP nicht vertreten ist.

Oracle drängt seit Jahren aggressiv in neue Segmente, während SAP im Wesentlichen an seinem Geschäft festhält. Dieses Frühjahr haben die Kalifornier überraschend angekündigt, den Computerbauer Sun Microsystems zu kaufen. In den vergangenen vier Jahren hat Oracle mehr als 50 Unternehmen übernommen.

Experten gehen davon aus, dass SAP auch im laufenden zweiten Quartal schlechter abschneiden wird als Oracle. Die positive Zwischenbilanz des US-Wettbewerbers könne nicht eins zu eins auf den Walldorfer Softwarekonzern übertragen werden, sagte Goldman-Sachs-Analyst Mohammed Moawalla. Er rechnet mit einem Minus der Lizenzerlöse um 43,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Moawalla vertraut aber darauf, dass es SAP gelingen wird, negative Einflüsse auf den Gewinn je Aktie durch ein striktes Kostenmanagement zu begrenzen,

Goldman Sachs zufolge hat Oracle dem Wettbewerber in mehreren Bereichen Marktanteile abgenommen und auch gegenüber Microsoft und IBM aufgeholt. Microsoft ist der führende Softwareanbieter der Welt, Oracle folgt auf Rang zwei. Insgesamt fiel der Umsatz von Oracle im letzten Quartal um fünf Prozent auf 6,9 Mrd. Dollar, der Gewinn ging um sieben Prozent auf 1,9 Mrd. Dollar zurück.

Joachim Hofer
Joachim Hofer
Handelsblatt / Korrespondent München
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