Vista
Windows-Spätstart löst Schockwelle aus

Die Ankündigung von Microsoft, sein neues Betriebssystem Windows Vista verspätet auszuliefern, hat die gesamte Technologiebranche schwer getroffen. Sie traf PC-Hersteller wie Chipproduzenten gleichermaßen. Doch ein Unternehmen konnte jubeln.

HB SEATTLE. Die in erster Linie für Privatkunden vorgesehenen Vista-Versionen sollten nun erst im Januar 2007 und nicht wie bislang vorgesehen in der zweiten Hälfte dieses Jahres erscheinen, hatte der weltgrößte Softwarehersteller am Dienstagabend nach US-Börsenschluss mitgeteilt. Der Vista-Start wird damit das für die gesamte PC-Branche wichtige Weihnachtsgeschäft verpassen. Vorbörslich gaben deshalb am Mittwoch nicht nur die Aktien von Microsoft selbst nach, sondern auch die großer Hardwareproduzenten. Experten gingen davon aus, dass viele Verbraucher die Anschaffung neuer Computer nun ins kommende Jahr verschieben könnten.

So gaben die Titel von Dell und Hewlett-Packard nach Bekanntwerden der Nachricht 2 Prozent nach. Auch die Aktien des weltgrößten Chipherstellers Intel wurden nachbörslich ins Minus gedrückt. In Asien verloren die Titel des Branchenprimus bei Speicherchips, Samsung Electronics, mehr als 3 Prozent. Der deutsche Chiphersteller Infineon verlor an der Frankfurter Börse bis zum Mittag 0,6 Prozent. Dagegen konnte der US-Computerkonzern Apple, der mit einem eigenen Betriebssystem mit Microsoft konkurriert, 1 Prozent zulegen. Der Kurs der Microsoft-Aktie selbst brach um 3 Prozent ein.

Das seit langem erwartete Windows Vista ist der Nachfolger des aktuellen Betriebssystems Windows XP, das Microsoft vor fast fünf Jahren auf den Markt gebracht hatte. Von der nun beschlossenen Terminverschiebung sind nach Angaben von Microsoft Deutschland alle Versionen betroffen, die in der Regel über den Handel an Einzelanwender verkauft oder auf neuen PCs vorinstalliert werden. Auf Geschäftskunden zugeschnittene Versionen, die Großabnehmer direkt von Microsoft-Servern herunterladen können, stünden dagegen wie geplant im November bereit, sagte ein Microsoft-Sprecher am Mittwoch.

Ursprünglich war das Erscheinen der zunächst als Longhorn bekannt gewordenen Software bereits für 2005 geplant, dann aber auf 2006 verschoben worden. Microsoft brauche mehr Zeit, um Qualität und Sicherheit von Vista zu verbessern, begründete der Branchenführer die erneute Verzögerung. Auch würden PC-Hersteller es bevorzugen, wenn das neue System nicht mitten im Weihnachtsgeschäft herauskomme, da dies für Instabilität im Markt sorgen würde.

Das letztgenannte Argument halten Analysten aber für fadenscheinig. „Das ist ein großer Fehler mit wirtschaftlichen Konsequenzen“, sagte Rob Enderle, Präsident der kalifornischen Marktforschungsfirma Enderle Group. „Das vierte Quartal auszulassen wird sich signifikant auf die Verkäufe im Konsumentenmarkt auswirken.“ Der Spätstart betrifft natürlich auch Microsoft selbst. Die Verschiebung könnte den Software-Konzern rund 500 Mill. Dollar Umsatz kosten, schätzt Charles Di Bona, Analyst bei Sanford C. Bernstein in New York.

„Händler und PC-Hardware-Hersteller arbeiten mit sehr dünnen Margen, die Auswirkungen könnten daher ernst sein“, sagte David Smith vom IT-Marktforscher Gartner. Analyst Shaw Wu von American Technology Research in San Francisco äußerte sich ähnlich. „Die Verzögerung macht die zweite Jahreshälfte für PC-Hersteller schwieriger“, sagte Wu. „Es gibt weniger Antrieb für den Umsatz.“

Andere Branchenexperten sahen durch den verspäteten Vista-Start allerdings nur begrenzte Auswirkungen auf die Ergebnisse von Technologie-Firmen. Sie sprachen von einem psychologischen Effekt, der kurzfristig die Aktien belaste. Im Prinzip gelte Vista aber ohnehin erst für 2007 als Wachstumstreiber.

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