Vor der Apple-Keynote
Warum das neue iPhone Apple die Magie klaut

Die Gerüchteküche um das iPhone 6S brodelt – klingt bislang aber nicht gerade revolutionär. Apple scheint seinen Hype nicht mehr ankurbeln zu können. Ein Blick, was das neue iPhone können soll und was es zu wenig bietet.
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Die Rechnung geht bei Apple normalerweise sehr einfach: Es gibt Erwartungen und Apple übertrifft sie. Egal ob bei Umsatz, Gewinn oder neuen Produkten. Zumindest war das zu Zeiten von Steve Jobs meist so.
In diesem Jahr scheint das Tim Cook und seinen Anhängern nicht so zu gelingen. Apple Watch und Apple Music sind zwei Neuheiten 2015, die es wohl nicht auf den Olymp der gehypten Apfelprodukte schaffen werden. Beide enttäuschten – zumindest Analysten und Anleger und im Fall von Apple Music auch die Fans. Und das iPhone 6 brachte zwar zunächst gute Zahlen, konnte den sonst vorprogrammierten Apple-Hype aber nicht befeuern.

Apple scheint dieses Jahr seine Magie verloren zu haben. Nun muss Apple-CEO Tim Cook liefern. Kurz vor seinem vierten Jahrestag als Vorstandschef muss er beweisen, dass Apple seinen Zenit noch nicht überschritten hat.

Also sollte es die – wohl für den 9. September geplante – Keynote richten. Aber während Apple-Fans dem Präsentationstag wie immer entgegenfiebern, zeigen sich viele Analysten wenig enthusiastisch. Nach Apple Watch und Apple Music seien die Erwartungen an Neuerungen aus Cupertino vorerst gedämpft, sagt Steve Janata, Analyst des IT-Research- und Beratungsunternehmens Crisp Research. „Wenn man die Aktienkurs-Bewertungen und die Erwartungen des Finanzmarktes betrachtet, dann ist eine Enttäuschung eigentlich vorprogrammiert.“

Schon die Apple Watch hatte nach ihrem Start wenig von dem geliefert, was sich Apple-Experten davon versprochen hatten. Die Smartwatch ist solider Durchschnitt, aber keine Apple-Magie, so die Bewertungen. Sowohl was ihre Leistung als auch ihre Verkaufszahlen angeht. „Es muss irgendwann wieder eine wirkliche Innovation kommen“, macht Janata deutlich. „Die Apple Watch hätte eine sein sollen, aber die Verkaufszahlen sind ja unterirdisch.“

Als Tim Cook die ersten Quartalszahlen vorlegte nach dem Erscheinen der Apple Watch, wurden deren Zahlen gar nicht erst einzeln aufgeführt – ungewöhnlich für Apple. Das lieferte viel Raum für Spekulationen – wie schlecht müssen die Zahlen da sein? Cook bemühte sich, viel Optimismus zu verbreiten ohne konkret zu werden. Er sprach von „begeisterten“ Kunden und die „Nachfrage sei höher als das Angebot“. Einen Hinweis auf die tatsächlichen Zahlen gab es nur von Apple-Finanzchef Luca Maestri. Der ließ verlauten, die Apple Watch habe sich in den ersten sechs Wochen besser verkauft als das erste iPhone oder das erste iPad. Aber reicht das heute noch?

Bedrohlich sind die Zahlen für das Unternehmen keinesfalls. Niedrigste Schätzungen gehen von zwei bis drei Millionen verkauften Modellen im ersten Quartal aus. Jedes andere Unternehmen würde sich über solche Zahlen freuen – so viel ist sicher. Aber bei einem Unternehmen wie Apple reicht das einfach nicht. „Die Frage ist, wie will Apple nicht nur das liefern, was sie schon haben – also gute Verkaufszahlen, hohe Margen. Die Frage ist, wo ist die Phantasie bei der ganzen Geschichte. Die bleibt bei Apple mittlerweile weg“, urteilt Janata.

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  • In meinen nun fast 25 Jahren Apple-Erfahrung hatte ich eine Sache fast nie mit den Produkten: Probleme. Sie haben bis auf ganz wenige Ausnahmen immer zuverlässig funktioniert und waren vor allem hervorragend zu bedienen. Diese Usability mach zugegebenermaßen ein wenig süchtig. Die Entzugserscheinungen verspüre ich immer dann, wenn ich Geräte anderer Hersteller bedienen muss. Ich mutmaße, dass dieses Phänomen auch bei anderen (Neu-)Kunden auftritt und ein Spuren hinterlässt, die sich heute (noch) nicht an Verkaufszahlen ablesen lassen.

    Was mich als Leser der einschlägigen Presse grandios aufregt, ist die Überheblichkeit mit der Analysten und andere "Fachleute" über ein Unternehmen urteilen, dessen Erfolgsgeschichte beispiellos ist. Egal ob an der Spitze ein Guru steht oder ein talentierter CEO. Es steckt sehr viel Arbeit und noch mehr Leidenschaft in dieser Company und das wird leider zu selten gewürdigt. Manchmal meint man, es sei die Schadenfreude, die solchen Geistern als einziges Mittel bleibt, um den anderen ab und sich selbst ein wenig aufzuwerten.

  • Bei mir wird es eventuell mein erstes Smart-Phone und mir ist eine gelungene Evolution viel lieber als eine Revolution.

    Für die geforderte Kohle will ich ein ausgereiftes Produkt und kein Bananenhandy, welches erst beim Kunden ausreift.

    Die Erwartungshaltung vieler Kunden ist lächerlich und wohl in erster Linie deren technischem Unverständnis zuzuschreiben. Allein wenn ich mir ansehe, was unter der Schale steckt, dann bin ich maßlos beeindruckt. Mein erster PC von 2000 war ein damals moderner Pentium 500 Mhz mit 128 MB RAM. Heute haben die im IPhone einen 1300 Mhz Prozessor und 1 oder gar 2 GB an RAM. Und das passiv gekühlt, wo bei mir beim Pentium noch ein regelrechter Kühlturm verbaut war. Wie kann man sich da noch beschweren?

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