Wachstumskurs
Reuters sucht sein Heil in Schwellenländern

Nach einer mehrjährigen Schrumpfkur geht der britische Nachrichten- und Informationskonzern Reuters wieder auf Wachstumskurs.

HB LONDON. Wie Vorstandschef Tom Glocer in einem Interview mit dem Handelsblatt sagte, will Reuters mit neuen Produkten von der zunehmenden Elektronisierung des Handels bei Renten und Derivaten sowie vom Nachrichtenbedarf in boomenden Schwellenländern profitieren. "In Indien herrschen Verhältnisse wie in Deutschland zu Zeiten des Neuen Marktes, die Leute sind verrückt nach Aktien", sagte Glocer. Daher habe sich Reuters in Indien an einem TV-Sender beteiligt, um auch den semiprofessionellen Privatanleger zu erreichen. Weitere Wachstumschancen sieht Glocer im Geschäft mit Privatanlegern vor allem in China und in Russland.

Der einstige Marktführer mit Nachrichten- und Datenterminals für professionelle Nutzer verbuchte im zweiten Quartal erstmals seit drei Jahren wieder einen leicht steigenden Umsatz im Kerngeschäft. Der operative Gewinn ging indes im Halbjahr auf 161 Millionen Pfund nach 171 Millionen Pfund im Vorjahr zurück. Vom Versuch, mit einer abgespeckte Version des hauseigenen Terminalprodukts, dem so genannten "Reuters Trader" Wettbewerber Bloomberg Kunden abzunehmen, zeigt sich Reuters-Chef Glocer enttäuscht. "Wir waren damit zwölf bis 18 Monate zu spät", sagte er. Daher will er nun die Zahl der Softwareentwicklungszentren reduzieren, um Produkte schneller an den Markt bringen zu können.

Die Erwartung, dass der Umsatz im zweiten Halbjahr weiter zulegen wird, gründet Glocer neben der Erholung der Branchenkonjunktur auf Investitionen, unter anderem in Softwareplattformen zum Handel mit Anleihen und Derivaten. Profitieren will er vom Trend zum elektronischen Handel. Noch findet der Handel im Interbankengeschäft vor allem per Telefon statt, doch erwarten Experten eine Verlagerung der Geschäfte auf Computersysteme. Hierfür will Glocer Plattformen zur Verfügung stellen. "Wenn man an diesen Trend nicht glaubt, sollte man Reuters-Aktien verkaufen", sagte Glocer. Durch Millionen-Investitionen in solche und andere Wachstumstreiber möchte er den Umsatz spätestens 2008 um fünf bis sieben Prozent im Jahr steigern.

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