Waffenstillstand
Google hat andere Sorgen als Microsoft

Der Krieg der Worte ist erst einmal beigelegt. Mit versöhnlichen Äußerungen nehmen Top-Manager von Google und Microsoft die Schärfe aus einer von ihnen selbst hochgespielten Rivalität. Der Grund: Investoren reagieren verschnupft auf den Privatkrieg der High-Tech-Giganten um die Vorherrschaft im Web. Außerdem heben beide Kontrahenten viele andere Sorgen.

LOS ANGELES. So gehörte Google am Freitag zu den größten Verlierern im Technologieindex Nasdaq mit einem Minus von 3,3 Prozent auf 374,13 Dollar. Microsoft verlor 0,22 Prozent. Allerdings war bereits im April der Kurs um über elf Prozent eingebrochen, nachdem Microsoft angekündigt hatte, über eine Milliarde Dollar in Web-Services und Suchtechnologien zu stecken.

Eine Beschwerde beim US-Justizministerium gegen eine angeblich wettbewerbsbehindernde Suchfunktion im Internet Explorer 7.0 war der bisherige Schlusspunkt einer Reihe von gegenseitigen Nadelstichen. Google-Mitgründer Sergey Brin konnte es sich dabei nicht verkneifen, darauf anzuspielen, dass Microsoft schließlich bei Monopolverfahren „eine Vergangenheit habe“. Das Justizministerium hat allerdings schon signalisiert, der Beschwerde nach eingehender Prüfung nicht weiter nachzugehen.

Auf der Google-Hauptversammlung vergangene Woche im kalifornischen Mountain View schlug CEO Eric Schmidt dann leisere Töne an: „Es gibt genug Platz für den Erfolg von Microsoft, Yahoo und anderen“, spielte er den Zweikampf herunter. Microsoft-Chef Steve Ballmer hatte zuvor während eines Essens im Commonwealth Club im kalifornischen Santa Clara seinerseits erklärt, man habe Geduld, um zu Google aufzuschließen. Außerdem sei man zu sehr mit der Entwicklung eigener Innovationen beschäftigt, um dauernd auf Google zu schielen. Das sieht Google jetzt genauso. Die neue Bescheidenheit kommt nicht ohne Grund. Ein erstes Audit bei Googles Forschungsaktivitäten („wir beschäftigen Leute von dem Schlag, der 100 Stunden die Woche arbeitet“) habe ergeben, dass zu viel Zeit für Projekte außerhalb der Web-Suche aufgewandt wurde, wie Schmidt einräumte. Das soll sich ändern. Analysten hatten der stark wachsenden Suchmaschine vorgeworfen, sich zu verzetteln. So wurde gerade erst ein Online-Notizbuch vorgestellt, während Microsoft und Yahoo neue Plattformen für Online-Werbung präsentieren konnten.

Außerdem kann Börsenstar Google Ruhe an wenigstens einer Front gebrauchen, da sich das Unternehmen zunehmend gegen Negativschlagzeilen zur Wehr setzen muss. Neben Dauerkritik am China-Engagement, die sich auch durch die Hauptversammlung zog, belastet ein Verfahren wegen „Click-Betrugs“ in Arkansas den Web-Konzern. Der Vorwurf: Werbekunden zahlen die Zeche für massenhaft „gefakte“ Aufrufe – etwa von übel wollenden Wettbewerbern – des Werbebanners ohne Kaufabsicht. Google wird vorgeworfen, fällige Provisionen einzunehmen und nicht genug gegen solche Praktiken zu unternehmen.

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