Wechsel an der Spitze
Werberiese Grey verpasst sich ein neues Image

Erstmals übernimmt mit Frank Dopheide ein Kreativer das Ruder in der Düsseldorfer Agentur.

DÜSSELDORF. Die zweitgrößte Agenturgruppe Deutschlands steht vor einer Wende: Erstmals in der 40jährigen Geschichte der Düsseldorfer Agentur Grey rückt mit Frank Dopheide ein Kreativer an die Spitze. Der 40-Jährige machte zuletzt als Kreativchef der Düsseldorf Agentur Red Cell, Tochter des britischen Werbekonzerns WPP, mit Kampagnen für Nikon und Alfa Romeo von sich reden. Red Cell war auch die Agentur des Handelsblatts, doch der Vertrag ist inzwischen ausgelaufen.

Dopheide wird seine neue Aufgabe am 1. Oktober übernehmen. „Wir werden das Haus auf Kreation für unsere Kunden trimmen“, sagte Uli Veigel, Chef der Grey-Gruppe in Deutschland, dem Handelsblatt. „Mit diesem Strategiewechsel wird Grey auf kreative Talente eine Magnetwirkung ausüben“, ist sich der frühere Chef der Frankfurter Agentur Bates sicher.

Grey hatte in der Branche bisher nicht den Ruf einer besonders kreativen Agentur. Dies soll sich mit Dopheide ändern. „Kreativität spielt künftig eine zentrale Rolle. Wir wollen schneller und kreativer werden“, verspricht der künftige Chairman von Grey Worldwide Düsseldorf. Grey ist davon überzeugt, dass die Kraft der Ideen künftig eine zentrale Rolle spielt. Die großen Kunden von Grey sind unter anderen Procter & Gamble, Nokia, Allianz und Seat.

Der Umbau bei Grey ist mit der Neubesetzung allerdings nicht zu Ende. „Wir werden den Diamanten Grey noch stärker zum Glänzen bringen“, kündigt Veigel selbstbewusst an. „Es wird die eine oder andere Personalentscheidung in den nächsten Wochen geben.“ Der 48-jährige Werber hatte zum Jahreswechsel die Aufgabe von dem langjährigen Grey-Chef Bernd Michael übernommen. Der 61-jährige Michael bleibt jedoch noch bis Ende September 2005 als Mitteleuropa-Chef an Bord.

Das Ziel des schnellen Umbaus ist klar: Grey will wieder auf Wachstumskurs gehen. Im vergangenen Jahr hatte die Agentur einen leichten Umsatzrückgang zu verkraften. Der Honorarumsatz belief sich auf 150 Mill. Euro. Damit liegt Grey weit hinter dem Marktführer BBDO, der 2003 einen Honorarumsatz von 316 Mill. Euro erzielte. Genaue Angaben zum Gewinn machen die Töchter der internationalen Werbekonzerne nicht. Der frühere Grey-Chef Michael hatte allerdings vor Monaten gesagt, dass die Agentur noch zwei Jahre und einen „Schluck Konjunktur“ brauche, um wieder die Profitabilität von 1999 zu erreichen.

Seit 2001 befindet sich die Werbekonjunktur im Tal der Tränen. Die allgemeine Wirtschaftskrise veranlasste die Unternehmen, ihre Werbebudgets zusammenzustreichen. Auch im vergangenen Jahr gingen die Werbeausgaben noch einmal um drei Prozent zurück. „Der Markt bleibt schwierig und die Budgets werden kleiner“, prognostiziert Dopheide. Grey will jetzt vor allem von der Schwäche des Hauptkonkurrenten BBDO profitieren. Nach dem gescheiterten Gastspiel der Doppelspitze André Kemper und Hubertus von Lobenstein befindet sich die Tochter des US-Werbekonzerns Omnicom in einer tiefen Identitätskrise. Vor allem der Exodus von Spitzenkräften macht dem Marktführer zu schaffen. Zuletzt hatte auch Gregor Schönborn, der in den Neunzigerjahren die zur BBDO gehörende PR-Agentur ECC Kohtes Klewes aufgebaut hat, das Handtuch geworfen. Nach dem Abschied des Duos Kemper/Lobenstein hat der Berater Olaf Göttgens die Führung der BBDO-Gruppe übernommen.

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa
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