Wechsel Ende 2007
Mohn-Familie kürt Aufsichtsratschef

Die Patriarchenfamilie Mohn stärkt Bertelsmann-Vorstandschef Gunter Thielen den Rücken. Der Konzernchef soll nach dem Auslaufen seines Vertrags Ende 2007 Vorsitzender des Aufsichtsrats von Europas größtem Medienkonzern werden. Der enge Vertraute von Liz Mohn wird damit den bisherigen Chef des Kontrollgremiums, Dieter Vogel, ablösen.

HAMBURG / DÜSSELDORF. Das erfuhr das Handelsblatt aus Aufsichtsratskreisen. Die Unterstützung für Thielen ist breit: „Diese Entwicklung wäre im Sinne der Arbeitnehmervertreter“, sagte Willi Pfannkuche, langjähriger Aufsichtsrat und Konzernbetriebsrat bei Bertelsmann, dem Handelsblatt und lobte seinen jetzigen Vorstandschef: „Thielen weiß, wovon er redet. Auf sein Wort kann man sich verlassen.“

Zum Rückzug von Dieter Vogel aus dem Aufsichtsrat Ende 2007 sagte sein Sprecher nur: „Kein Kommentar.“ Auch Bertelsmann selbst wollte den geplanten Umbau des Aufsichtsrats nicht betätigen. Aus Kreisen des Unternehmens hieß es am gestrigen Dienstag dagegen: „Es ist bereits mit der Mohn-Familie verabredet, dass Vogel für Thielen den Posten des Aufsichtsratschefs frei macht.“ Vogel solle nach seinem Rückzug aus dem Kontrollgremium in die Bertelsmann-Stiftung wechseln.

Der Wechsel des Vorstandschefs an der Spitze des Aufsichtsrats soll Ende 2007 vollzogen werden. Das bedeutet aber, dass sein Vertrag vorher um vier Monate verlängert werden muss: „Der Vertrag von Herrn Thielen läuft bis August 2007“, sagte ein Konzernsprecher. Doch intern wird fest damit gerechnet, dass Thielen unbedingt das komplette Jahr erfüllen will. „Der Aufsichtsrat wird Thielen fragen, ob er seinen Vertag noch verlängert“, heißt es in Vorstandskreisen.

Wenn er im Chefsessel des Aufsichtsrats Platz genommen hat, spielt der 65-jährige Thielen weiter die zentrale Rolle im Bertelsmann-Imperium. „Um den Vorstand zusammenzuhalten, wäre das ein wichtiges Symbol“, sagte ein Insider. Vogel habe diese integrative Kraft nicht. Wenn auch die Stimmung in der Führung des Medienriesens als ausgesprochen gut beschrieben wird, wetteifern die Vorstandsmitglieder doch um die Nachfolge für den Chefsessel. Als Favorit für den Vorstandsposten gilt Hartmut Ostrowski, Chef der Druck- und Mediendienstleistungssparte Arvato. Der gebürtige Bielefelder soll ein Vertrauter von Thielen sein.

Die neue Machtposition für Thielen ist offenbar auch im Sinne der jetzigen Vorstandsmitglieder: „Jeder der Vorstände ist dafür, dass Thielen nach seinem Ausscheiden aus diesem Gremium weiter in entscheidender Position sitzt“, heißt es in Unternehmenskreisen.

Nach der bisher gültigen, offiziellen Lesart soll Thielen lediglich den Vorsitz der Bertelsmann-Stiftung übernehmen. Diese Position hatte er bereits inne, als sich Bertelsmann vom früheren Konzernchef Thomas Middelhoff trennte.

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