Werbebranche
Interpublic bleibt hinter Wettbewerbern zurück

Der weltweite Werbemarkt wächst, aber nicht alle Kommunikationskonzerne können davon gleichermaßen profitieren: Interpublic, die drittgrößte Werbeholding der Welt, kämpft darum, die Kundenverluste des vergangenen Jahres zu kompensieren und treibt den Restrukturierungsprozess voran.

FRANKFURT. Am Mittwoch meldete die in New York ansässige Holding von Werbeagenturen wie McCann-Erickson, FCB und Lowe einen um 4,8 Prozent auf 1,5 Mrd. Dollar gesunkenen Quartalsumsatz. Der Nettogewinn nach Minderheitsanteilen dagegen stieg von 3,5 auf knapp 47 Mill. Dollar. Das war deutlich mehr als die Märkte erwartet haben: Die Interpublic-Aktie stieg bei Börseneröffnung in New York um mehr als fünf Prozent auf 8,7 Dollar. Dennoch kann der Gewinn im zweiten Quartal nicht den Verlust des ersten ausgleichen: Unter dem Strich steht bei Interpublic in den ersten sechs Monaten ein Nettoverlust von 125 Mill. Dollar.

„Es war uns klar, dass dieses Jahr angesichts der verlorenen Etats schwierig werden würde“, sagt der 60-jährige Chef Michael Roth gestern in einer Telefonkonferenz mit Analysten. Der Interpublic-Konzern hatte im vergangenen Jahr unter anderem den auf 600 Mill. Dollar geschätzten Werbeetat der Bank of Amerika verloren, zudem das europäische Mediabudget des Kosmetik-Konzern L’Oréal, das auf brutto rund 180 Mill. Euro geschätzt wird. Als Gewinn konnte die Interpublic-Tochter McCann-Erickson den rund 300 Mill. Dollar schweren weltweiten Etat des Chipherstellers Intel verbuchen.

Wechselkurseffekte und Veränderungen im Konsolidierungskreis herausgerechnet konnte Interpublic im ersten Halbjahr 2005 um 0,5 Prozent zulegen, ein organisches Wachstum, das deutlich hinter dem der Konkurrenz zurückbleibt. Branchenführer Omnicom aus New York beispielsweise legte im ersten Quartal um 7,9 Prozent zu, der französisches Publicis-Konzern meldete ein Plus von 6,8 Prozent in den ersten sechs Monaten des Jahres. Beide Wettbewerber erwirtschaften hohe operative Margen: Omnicom erreicht in ersten Quartal einen Wert von 14,8 Prozent, Publicis 15,2 Prozent.

Dennoch ist Interpublic-Chef Michael Roth zuversichtlich, in diesem Jahr insgesamt eine gegenüber dem Vorjahr stabile Umsatzentwicklung erreichen zu können. Der weltweite Werbemarkt soll nach den Prognosen der Mediaagentur Zenith Optimedia in diesem Jahr um 6,1 Prozent wachsen.

2008 schließlich will sich Interpublic so aufgestellt haben, dass das Unternehmen ein wettbewerbsfähiges Wachstum erreichen kann und auch wieder Gewinne erzielt. Dafür baut Roth einiges im Konzern um. Beispielsweise werden gerade die beiden Agenturgruppen Draft und FCB zusammengelegt. Draft ist auf Dialogmarketing spezialisiert, FCB auf klassische Werbung.

In den vergangenen Jahren haben bei Interpublic hohe Abschreibung auf zu teuer eingekaufte Werbefirmen Verluste verursacht. Zudem waren die Bilanzen fehlerhaft. Roth hat seit seinem Amtsantritt 2005 viel Energie drauf verwandt, die Bilanzen rückwirkend zu korrigieren, sich von unrentablen Geschäften zu trennen und die Wettbewerbsfähigkeit des Konzerns zu erhöhen.

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