Wettbewerbshüter
Kartellamt verbietet Tele-Columbus-Übernahme durch Kabel Deutschland

Kabel Deutschland darf den Konkurrenten Tele Columbus nicht übernehmen. Das hat das Kartellamt entschieden. Grund: der Zusammenschluss würde das „bundesweite Oligopol“ verstärken. KDG widmet sich schon einem neuen Ziel.
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Bonn/MünchenDas Bundeskartellamt hat dem größten Netzbetreiber Kabel Deutschland (KDG) die Übernahme des kleineren Konkurrenten Tele Columbus untersagt. Der Zusammenschluss würde „das bundesweite Oligopol der beiden großen regionalen Kabelnetzbetreiber“ KDG und Unitymedia KabelBW verstärken, erklärte Kartellamts-Präsident Andreas Mundt am Freitag in Bonn. KDG hat den Plan wegen des absehbaren Widerstands der Wettbewerbshüter bereits aufgegeben und will jetzt sein eigenes Netz kräftig ausbauen.

„Tele Columbus ist in den neuen Bundesländern der wichtigste Wettbewerber von KDG. Beide Unternehmen stehen insbesondere in Berlin wie in fast allen weiteren Ballungsräumen Ostdeutschlands in direktem Infrastrukturwettbewerb zueinander. Für die Wohnungswirtschaft würde nach dem Zusammenschluss in Zukunft vielerorts eine wettbewerbliche Alternative entfallen“, erklärte der oberste Wettbewerbshüter. KDG sei nicht bereit gewesen, die besonders kritischen städtischen Netze von Tele Columbus an Dritte zu verkaufen. Der Wegfall von Tele Columbus aber hätte die Vorherrschaft der beiden großen regionalen Kabelnetzbetreiber weiter verfestigt.

Tele-Columbus-Geschäftsführer Dietmar Schickel sagte: „Wir bedauern die Entscheidung des Bundeskartellamts, aber es ist gut, dass nach einem langen Verfahren nun Klarheit geschaffen wurde.“ Das Betriebsergebnis sei im vergangenen Jahr um 10 Prozent auf 94 Millionen Euro gestiegen, der Umsatz auf 237 Millionen Euro gewachsen, teilte das Unternehmen am Freitag mit.

KDG ist mit 8,5 Millionen Kunden der größte Kabelnetzbetreiber in Deutschland. Für 600 Millionen Euro wollte das Unternehmen den kleineren Rivalen mit über 1,6 Millionen Kunden in Ostdeutschland, Hessen und Nordrhein-Westfalen kaufen.

Die Entscheidung des Kartellamts ist noch nicht rechtskräftig. Die Unternehmen können beim Oberlandesgericht Düsseldorf Beschwerde einlegen. Aber KDG-Vorstandschef Adrian von Hammerstein hatte schon am Dienstag die Übernahmepläne für gescheitert erklärt. Die von der Behörden geforderten Zugeständnisse seien wirtschaftlich nicht vertretbar. Das Unternehmen wolle nun ohne Zukäufe wachsen. KDG will nun zusätzlich 300 Millionen in den Ausbau seiner Netze investieren.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Wettbewerbshüter: Kartellamt verbietet Tele-Columbus-Übernahme durch Kabel Deutschland"

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  • Das Betriebsergebnis ist doch nur durch die Zwangsverkabelung zustande gekommen. Das Angebot von Telecolumbus ist unter aller Sau. Was brauch ich z. B. Sonnenschein-TV? Wenn ich eine Reise buchen will, gehe ich ein Reisebüro. Diesen Mist braucht kein Mensch!!

  • Hier ging es glaub' um Kabeldeutschland... Im Prinzip aber die gleiche hier schon vom Vorredner angesprochene Problematik. Ich arbeite selbst als Techniker für einen Kabelnetzbetreiber. Vor ein paar Jahren wurden alte RKS- und Telecolumbus Anlagen zugekauft und nach und nach modernisert, um vor allem ein schnelles Internet bis 100 MBit bereitstellen zu können. Die Kundenresonanz aber auch die betroffenen Hausverwaltungen waren stets einhellig. Das Kartellamt sollte vielleicht mal versuchen ganz im kleinen zu Denken. Denn der Markt (und um den geht es) ist der "kleine" Mann.

  • Entscheidungen des Kartellamts müssen nicht immer zum Vorteil der Kunden ausfallen. Wir sind hier in Frankfurt über das Kabel und unseren Vermieter an Tele Columbus gebunden. Da diese aber nicht in das Netz investieren können wir moderne Angebote wie bei Unitymedia üblich gar nicht kaufen. Das Kartellamt müsste beschließen dass der einzelne Mieter von verschiedenen Unternehmen Leistung beziehen kann, so wie bei Gas und Strom der Fall ist. Sonst wird der Mieter über die Wohnungsgesellschaft geknebelt und muss oft doppelt bezahlen da er über das Kabel hinaus noch mit der Telekom Verträge abschliessen muss. Eine Übernahme von Tele Columbus durch Unitymedia hätte uns Vorteile und Ersparnisse gebracht. Erklären Sie dies mal einem sogenannten Wettbewerbshüter. Die haben den Markt nicht verstanden.

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