WLAN-Mitschnitte
Datenschützer verdonnert Google zu Bußgeld

E-Mails, Fotos, Passwörter: Google sammelte mit seinen Street-View-Autos Daten aus unverschlüsselten WLAN-Netzen. Alles ein Versehen, beteuerte der Internet-Konzern. Trotzdem muss er ein Bußgeld zahlen.
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HamburgHamburgs Datenschutz-Beauftragter Johannes Caspar hat ein Bußgeld in Höhe von 145.000 Euro gegen den Internetkonzern Google verhängt. Geahndet wird damit eine illegale Datensammlung, wie die Behörde am Montag in der Hansestadt mitteilte. Google hatte zwischen 2008 und 2010 bei Aufnahmen von Bildern für seinen Straßenfoto-Dienst Street View auch Daten aus unverschlüsselten WLAN-Netzen erfasst.

„Unter den im Vorbeifahren erfassten Informationen befanden sich auch erhebliche Mengen an personenbezogenen Daten unterschiedlichster Qualität. Beispielsweise wurden E-Mails, Passwörter, Fotos und Chat-Protokolle erfasst“, stellte Caspar in der Mitteilung am Montag fest. Das weltweite Problem war 2010 auf Nachfragen des Datenschützers hin öffentlich geworden. Nach Ermittlung von US-Behörden hatte ein einzelner Mitarbeiter die Funktion in die Software der Kamera-Wagen eingefügt.

Die Hamburger Staatsanwaltschaft hatte strafrechtliche Ermittlungen zu dem Fall im November eingestellt. Der Datenschutz-Beauftragte führte die Angelegenheit aber als Ordnungswidrigkeitsverfahren weiter und verhängte nun das Bußgeld. Es stehe fest, dass Google „fahrlässig unbefugt personenbezogene Daten erhoben und gespeichert” habe, erklärte Caspar. Der US-Konzern hatte stets bestritten, die Daten vorsätzlich gesammelt zu haben.

Auch Caspar erhob keinen entsprechenden Vorwurf. Der Fall lasse aber den Schluss zu, dass Googles firmeninterne Kontrollmechanismen „in erheblicher Weise versagt haben”. „Nach meiner Einschätzung handelt es sich bei dem Sachverhalt um einen der größten bislang bekannt gewordenen Datenschutz-Verstöße überhaupt. Google hat sich bei der Aufklärung kooperativ gezeigt und öffentlich ein Fehlverhalten eingeräumt“, erklärte Caspar.

Der US-Konzern hatte 2008 bis 2010 Autos mit Kameras durch die Straßen deutscher Großstädte geschickt, um Aufnahmen für den Straßenbilder-Dienst Street View zu machen. Diese sammelten im Vorbeifahren allerdings auch Daten, die sie aus unverschlüsselten WLAN-Netzwerken empfingen.

Nach Angaben von Google handelte es sich um einen „Fehler“, durch den die Funktionen in die Steuerungsprogramme integriert worden seien. Die Autos hätten während der Fahrt auch nur kurze, praktisch wertlose „Informationsschnipsel” aus ungesicherten drahtlosen Netzen aufschnappen können. Diese seien zudem nie ausgewertet und verwendet worden. Die Daten sind dem Unternehmen zufolge gelöscht.

Google musste wegen des Vorfalls bereits in mehreren Ländern Sanktionen hinnehmen. In den USA zahlte Google sieben Millionen Dollar Strafe. Der damit verbundene Vergleich stelle sicher, dass der Konzern in der Zukunft keine ähnlichen Verfahren mehr anwende, um ohne Zustimmung an persönliche Daten zu gelangen, teilte der federführende Staatsanwalt aus Connecticut, George Jepsen, Mitte März mit. Das Unternehmen habe sich unter anderem verpflichtet, seine Mitarbeiter entsprechend zu schulen.

Agentur
afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur
Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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