Wörterbücher
Duden nimmt Angriff von Klett gelassen

Auf zum Wortgefecht: Die Stuttgarter Verlagsgruppe Klett greift die Instanz für deutsche Sprache an, den Duden. Die Schwaben, die mit ihren Pons-Wörterbüchern am Markt bisher in Sachen Nachschlagewerke für Orthografie keine Chance hatten, setzen auf das Internet. Der Platzhirsch gibt sich unbeeindruckt – und der Herausforderer stolpert zum Auftakt.

DÜSSELDORF. Matt grün leuchtet die Internetseite des Rechtschreibe-Wörterbuchs Pons von Klett. Seit Montag können Internetnutzer dort mit Suchbefehlen Unsicherheiten bei der richtigen Schreibweise ausmerzen – kostenlos. Doch zum Start läuft nicht alles glatt. Wer nach der Schreibweise für den Seglerknoten Stopperstek oder für die Wildobstsorte Speierling sucht, erntet nur ein virtuelles Achselzucken.

Der holprige Start kommt dem Konkurrenten Duden gelegen. „Das ist keine Innovation. Wir haben bereits seit fünf Jahren eine Online-Suche“, sagt ein Sprecher des Bibliographischen Instituts in Mannheim, das den Duden verlegt. Trotzig fügt er an: „Mannheim bleibt die Hauptstadt der deutschen Sprache.“ Duden hat bei Rechtschreibwerken einen Marktanteil von 94 Prozent. Diese Bastion will Klett knacken. Offenbar haben die Stuttgarter in den vergangenen Monaten Mut getankt. Da musste sich mit dem Brockhaus bereits ein anderes gedrucktes Nachschlagewerk der kostenlosen Internetkonkurrenz beugen.

Klett gibt sich angriffslustig. „Wir wollen einen Marktanteil von zehn bis 20 Prozent“, sagte am Montag eine Klett-Sprecherin. Nach dem Start des Online-Portals www.pons.eu soll im September der gedruckte Rechtschreibe-Pons die Dominanz des Dudens brechen. „Schon jetzt haben wir rund 25 Mio. Zugriffe im Monat auf unsere zweisprachigen Online-Wörterbücher“, sagte Philipp Haußmann, Vorstandssprecher der Ernst Klett AG der „Wirtschaftswoche“. Durch das neue Rechtschreibangebot will er die Abrufzahlen bis zum Jahresende auf bis zu 40 Mio. erhöhen. „Damit könnte das Online-Angebot im kommenden Jahr kostendeckend sein.

Die Unternehmenstochter der Verlagsgruppe Cornelsen, die den Duden herausgibt, lässt der Angriff von Klett kalt. „Wir betrachten das Vorhaben sehr entspannt“, sagt Alexander Bob, Geschäftsführer der Cornelsen Verlagsholding, dem Handelsblatt. Duden hat sich längst vom reinen Bücherverkauf verabschiedet. Jetzt will die Instanz für deutsche Sprache die 31 Mio. Computerhaushalte in Deutschland erobern. Der Duden soll in den PC.

Das Bibliographische Institut treibt daher die Expansion seiner Rechtschreibsoftware „Duden Korrektur 6.0“, von der es bislang mehr als eine Mio. Exemplare verkauft hat, voran. Mit Kampfpreisen heizt die Cornelsen-Tochter den Verkauf der Software an. Seit einer Woche bietet der Verlag die 25. Auflage des Dudens zusammen mit dem Rechtschreibprogramm für 25 Euro an. Die Paketlösung kommt an. „Der Duden läuft besser als geplant. Deshalb haben wir unsere Umsatzerwartung um 20 Prozent angehoben“, berichtet Bob. Allein vom Kombipaket aus Buch und Software will der Verlag dieses Jahr 100 000 Stück verkauft haben.

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