Wolfspeed Power
Infineon kauft wieder ein

Der Münchener Dax-Konzern gibt 850 Millionen Dollar aus für den US-Konkurrenten Wolfspeed. Das ist kein Grund zur Sorge für die Anteilseigner: Vorstandschef Ploss hat ein glückliches Händchen bei Übernahmen.

MünchenDeutschlands größter Halbleiterhersteller verstärkt sich erneut in Amerika. Für 850 Millionen Dollar, umgerechnet 765 Millionen Euro, kauft Vorstandschef Reinhard Ploss den Wettbewerber Wolfspeed Power. Das Unternehmen ist bisher Teil des LED-Produzenten Cree. „Das Geschäft und Know-how von Wolfspeed und Infineon ergänzen sich in hohem Maße“, sagte Ploss an diesem Donnerstag. Beide Firmen produzieren Chips für die Stromversorgung.

Es ist nicht das erste Mal, dass Ploss jenseits des Atlantiks zuschlägt. Vor zwei Jahren erst hat Infineon den Wettbewerber International Rectifier aus Kalifornien für drei Milliarden Dollar geschluckt.

Infineon nimmt für den Kauf Bankkredite von 720 Millionen Dollar auf. In den zwölf Monaten bis zum 27. März habe Wolfspeed einen Umsatz von 173 Millionen Dollar (155 Millionen Euro) erzielt, teilte Infineon an diesem Donnerstag mit. Zum Vergleich: Infineon kam im ersten Quartal des Jahres auf Erlöse von 1,6 Milliarden Euro. Die Übernahme werde sich sofort positiv auf Marge und Ergebnis auswirken, heißt es in einer Mitteilung. Der Deal soll Ende des Jahres abgeschlossen werden.

Die Ankündigung kam an der Börse gut an. In einem freundlichen Umfeld kletterte der Aktienkurs am Mittag um gut zwei Prozent auf rund 13,6 Euro. Damit gehörte Infineon zu den besten Werten im Dax. Die positive Reaktion ist kein Wunder, denn die letzte Akquisition hat Ploss fast geräuschlos integriert, und das auch noch wesentlich schneller als zunächst geplant. Das Ergebnis: Heute steht Infineon so gut da wie noch nie seit der Abspaltung von Siemens Ende des vergangenen Jahrtausends.

Knapp vier Jahre ist es her, seit der gebürtige Franke Ploss das Steuer beim wichtigsten deutschen Chiphersteller übernommen hat. Mit Erfolg: Alle wesentlichen Kenn- und Steuerungszahlen zeigen seither nach oben. Auch in dem bis zum 30. September laufenden Geschäftsjahr sieht es gut aus. Der Umsatz soll um zwölf Prozent klettern.

Im Vergleich zu vielen anderen Übernahmen in der Chipbranche ist die Transaktion von Infineon bescheiden. So hat erst dieses Frühjahr Microchip den Rivalen Atmel für rund 3,5 Milliarden Dollar geschluckt. NXP aus Eindhoven hat sich für zwölf Milliarden Dollar den US-Wettbewerber Freescale geschnappt.

Doch es hat seinen Grund, dass die Firmen zukaufen: Es wird immer schwieriger, aus eigener Kraft zu wachsen. So rechnen die Marktforscher von Gartner damit, dass der Umsatz der Branche 2016 weltweit leicht schrumpfen wird, und das schon das zweite Jahr in Folge. So etwas habe es in der Geschichte der Industrie bisher nur einmal zuvor gegeben, warnen die Experten.

Joachim Hofer
Joachim Hofer
Handelsblatt / Korrespondent München
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