Zensur
Wie die Türkei Twitter und Youtube sperrt

Erst Twitter, jetzt auch Youtube: Der türkische Ministerpräsident Erdogan zensiert beliebte Internet-Dienste, um seine Kritiker zum Schweigen zu bringen. Doch diese Sperren lassen sich umgehen.
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DüsseldorfDie Türkei verschärfte die Zensur: Nach dem Kurzmeldungsdienst Twitter lässt die türkische Regulierungsbehörde TIB jetzt auch das Videoportal Youtube sperren. Die Methoden, die derzeit zum Einsatz kommen, lassen sich mit technischem Geschick aber durchaus umgehen.

Am einfachsten lassen sich Internet-Angebote mit einer sogenannten DNS-Sperre blockieren. Hintergrund: Gibt man eine Adresse wie www.twitter.com in den Browser ein, muss der erst den Domainnamen in einem für Computer lesbare Nummernkombination übersetzen, die IP-Adresse. Welche Nummer zu welchem Namen gehört, ist auf den Domain Name Servern (DNS) gespeichert – in ihrer Funktion ähneln sie somit einem Telefonbuch. Diese Verzeichnisse pflegen die Anbieter von Internetzugängen.

Erzwingt die Regierung eine DNS-Sperre, leiten die Unternehmen eine Anfrage wie www.twitter.com nicht zur IP-Adresse 199.16.156.38 weiter, sondern zu einer anderen Seite. Oder sie geben eine Fehlermeldung aus. Mit anderen Worten: Man nimmt den Nutzern das Telefonbuch weg.

Diese Sperre lässt sich aber relativ leicht umgehen. Zum einen können Nutzer statt der DNS-Server ihrer Internet-Anbieter alternative Verzeichnisse aufrufen, etwa die von Firmen wie Google. Zum anderen können sie ihren Standort verschleiern, etwa mit dem Anonymisierungsdienst TOR. Dadurch gaukeln sie den Internet-Anbietern vor, dass sie in einem anderen Land sitzen, und werden von der Sperrung ausgenommen.

Nach der DNS-Sperre ging die Twitter-Nutzung kaum zurück, selbst Präsident Abdullah Gül meldete sich weiter munter zu Wort. Deswegen griff die türkische Regierung zu härteren Maßnahmen: Sie ließ auch die IP-Adressen selbst sperren. Selbst wenn Nutzer die Zahlenfolge in den Browser eingeben, gelangen sie nicht mehr auf die Webseite. Nach einem Bericht des Blogs Netzpolitik.org wird inzwischen außerdem auch der Anonymisierungsdienst TOR gesperrt, der bei der Umgehung der Sperren hilft.

Die härteste Form der Zensur besteht darin, jedes einzelne Datenpaket zu überwachen – Experten bezeichnen diese Technologie als Deep Packet Inspection. Dieses leistungsfähige Verfahren kommt in totalitären Staaten zum Einsatz, etwa in China, das mit seiner „Great Firewall“ (in Anlehnung an die große Mauer) ein weit entwickeltes Zensursystem entwickelt hat.

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