Zukäufe für 2008 geplant
Bertelsmann bei Schuldenabbau im Plan

Der Gütersloher Medienriese Bertelsmann sieht sich trotz der Vergleichszahlungen im Rechtsstreit um die Musiktauschbörse Napster bei seinem Schuldenabbau im Plan. Die Verschuldung des Konzerns hatte sich verdoppelt, nachdem Bertelsmann für 4,5 Milliarden Euro eigene Aktien zurückgekauft hatte. 2008 soll aber Schluss sein mit dem Sparkurs zwecks Schuldenabbau.

HB FRANKFURT. „Wir werden die Schulden im vierten Quartal mindestens um 500 Millionen Euro senken. Dann wären wir am Jahresende bei rund sechs Milliarden Euro wirtschaftlichen Finanzschulden“, sagte Bertelsmann-Finanzvorstand Thomas Rabe in einem Interview mit Reuters. „Wir wollen uns weitgehend dem Verschuldungsfaktor von 2,3 am Jahresende annähern.“ Zum Halbjahr lagen die Finanzschulden noch beim 2,7-fachen des operativen Ergebnisses (Ebitda).

Rabe räumte jedoch ein: „Die Zahlungen im Zusammenhang mit den Klagen gegen Napster konnten wir nicht abschätzen. Sie sind jetzt entsprechend zu berücksichtigen.“ Bertelsmann legte zur außergerichtlichen Beilegung des Streits um die ehemalige Gratis-Musiktauschbörse Napster 243 Millionen Euro auf den Tisch. Zum Schuldenabbau soll auch das laufende Geschäft beitragen. Allerdings hatte Rabe zuletzt das Erreichen der Ziele für 2007 vom Konsumklima abhängig gemacht. Aus eigener Kraft will Bertelsmann zwei Prozent mehr umsetzen als im vergangenen Jahr. Die operative Umsatzrendite soll zehn Prozent erreichen.

Die Verschuldung des Medienriesen hatte sich verdoppelt, da Bertelsmann für 4,5 Milliarden Euro eigene Aktien von der Groupe Bruxelles Lambert zurückgekauft hatte, um einen Börsengang zu vermeiden. Bertelsmann erlegte sich daher für 2007 eine Expansionspause auf und fuhr eine „restriktive Dividendenpolitik“. Die werde sich 2008 fortsetzen, bekräftigte Rabe. Auch 2008 sollen den Aktionären rund 120 Millionen Euro zufließen, 2006 waren es noch 287 Millionen Euro. Geld für den Schuldenabbau holte sich Bertelsmann auch aus dem Verkauf des Musikverlags BMG Music Publishing.

Im kommenden Jahr will der Konzern seine Zurückhaltung aufgeben und Geld für größere Zukäufe in die Hand nehmen. Nach früheren Aussagen von Rabe sollen jährlich 1,2 bis 1,5 Milliarden Euro für Akquisitionen zur Verfügung stehen. Um auch größere Beteiligungen stemmen zu können, hatte Bertelsmann einen Fonds gegründet und Finanzinvestoren ins Boot geholt. „Wir haben noch nicht investiert und stehen auch unter keinem Anlagedruck“, sagte Rabe.

Bei dem Verkauf der Lehrbuchsparte des kanadischen Informationskonzerns Thomson, der Reuters übernehmen will, hatten die Beteiligungsfirmen Apax und Omers Capital mit 7,75 Milliarden Dollar Bertelsmann ausgestochen. „Bei Thomson Learning wären die gebotenen 6,5 Milliarden Dollar ohne Fonds nicht vorstellbar gewesen. Wir hätten 25 Prozent Anteil bekommen für etwa 250 Millionen Dollar Einsatz“, erläuterte der Finanzchef.

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