Zusammenschluss gefährdet
Auch unter Trump müssen Sprint und T-Mobile zittern

Die Telekom-Tochter T-Mobile US und Sprint wollen in den USA fusionieren. So könnten die Mobilfunkanbieter zu den Platzhirschen AT&T und Verizon aufschließen. Doch ist unklar, ob die Trump-Regierung zustimmen wird.
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New YorkEine Mobilfunkhochzeit zwischen der Telekom-Tochter T-Mobile US und dem Rivalen Sprint ist Experten zufolge noch lange nicht in trockenen Tüchern. Obwohl der neue US-Präsident Donald Trump sich unternehmerfreundlich gibt, fehlen Präzedenzfälle, an denen sich der Kurs der Regierung ablesen lässt. Erschwerend kommt hinzu, dass Trump häufig Adhoc-Entscheidungen trifft. „Aus Sicht von Trump gibt es kein Gesetz, das auf Zusammenschlüsse anwendbar ist. Für ihn gibt es nur Deals, die man aushandelt“, sagt Kartellrechtsprofessor Herbert Hovenkamp von der Universität Iowa.

Sprint gehört zum japanischen Telekom-Riesen Softbank. Der ist nach Aussagen von Insidern mittlerweile bereit, die Mehrheit der lahmenden Sprint an T-Mobile US zu verkaufen. Frühester Zeitpunkt für den Beginn von konkreten Gesprächen wäre der April, wenn die US-Frequenzauktion offiziell zu Ende geht – das hatten mehrere mit der Situation vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters am Freitag gesagt. Der Deal wäre groß: Sprint ist an der Börse 36 Milliarden Dollar wert, T-Mobile US sogar 50 Milliarden Dollar (47 Milliarden Euro). Die Telekom hält an ihrem Ableger zwei Drittel der Aktien.

Softbank wollte Sprint eigentlich schon 2014 mit T-Mobile US fusionieren, damals noch unter umgekehrten Vorzeichen. Sprint sollte sich die Mehrheit am Telekom-US-Geschäft sichern. Allerdings drohten die amerikanischen Wettbewerbshüter mit ihrem Veto und pochten darauf, dass es in den USA weiter vier landesweit tätige Anbieter geben müsse. Das Dogma hat Gültigkeit seit 2011: Damals war der 39 Milliarden Dollar schwere Verkauf von T-Mobile US an den Branchenriesen an AT&T in letzter Minute am Veto der Regierung des damaligen Präsidenten Barack Obama gescheitert, mit der gleichen Begründung. Erst nach dem Aus für diesen Mega-Deal stellte T-Mobile US sich neu auf, überarbeitete die Tarife und lockte Millionen neuer Kunden. Der damals gestartete Preiskampf zwischen Sprint und dem Telekom-Ableger hätte insgesamt die Mobilfunktarife in den USA ins Rutschen gebracht, sagt Experte Craig Moffett vom Analysehaus Moffett Nathanson. „Die Kartellbehörden könnten nun mit Recht argumentierten, dass sie genau diese Dynamik erhalten wollen.“

Wichtig ist deshalb nach Ansicht eines anderen Wettbewerbsexperten, wie Sprint und T-Mobile den Deal in Washington verkaufen. Kernpunkt sollte sein, dass Sprint und T-Mobile nur nach einer Kombination eine Chance hätte, den Vorsprung der beiden Platzhirsche AT&T und Verizon aufzuholen, sagt David Balto, der früher für die Kartellbehörde Federal Trade Commission arbeitete. Nur durch dadurch ließe sich die nötige Größe erzielen, um Innovationen schnell auf den Markt zu bringen. „Das Argument der Effizienzsteigerung dürfte in diesem Fall die zentrale Rolle spielen.“

Jedoch hätte eine Fusion von Sprint und T-Mobile US noch weitere Folgen, die überhaupt nicht in die Agenda von Trump passen würden. „Ein solcher Deal würde den Abbau von vielen Jobs in den USA nach sich ziehen“, sagt Anlageberater Christopher Marangi von der Investmentfirma Gamco. Ein Zusammengehen sei deshalb auch unter dem neuen Präsidenten unwahrscheinlich.

Softbank-Chef Masayoshi Son kennt die Präferenzen von Trump offenbar. Anfang Dezember traten die beiden Unternehmer in der Lobby von Trumps Hochhaus in Manhattan vor die Kameras, um Sons Pläne für Milliarden-Investitionen in Amerika zu verkünden. Damit sollen in den USA rund 50.000 neue Stellen entstehen. „Trump hat versprochen, die Regulierung zurückzufahren, damit man einfacher Geschäfte machen kann“, sagt Son später.

Ein Schulterschluss der beiden Mobilfunker würde auf dem enorm großen US-Markt ein neues Schwergewicht schaffen. Derzeit liegt Sprint mit 60 Millionen Kunden abgeschlagen auf dem vierten Platz, T-Mobile US nimmt mit 71,5 Handynutzern den dritten Platz ein. Verizon kommt auf 114 Millionen Kunden und Marktführer AT&T auf 135 Millionen.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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