Zuversicht für Europas Telekommunikationsmarkt
Hotspots und DSL sollen für neuen Schwung sorgen

Die Lage ist besser als erwartet: Allen Unkenrufen zum Trotz wächst der westeuropäische Dienste-, Ausrüstungs- und Endgerätemarkt für Telekommunikation (TK) noch immer.

So soll der Gesamtumsatz der drei Bereiche der TK-Wirtschaft von 298,2 Mrd. Euro im Jahr 2002 um durchschnittlich 4 % pro Jahr auf 323,5 Mrd. Euro in 2004 zunehmen. Mit jeweils 84 % Anteil am Gesamtmarkt haben TK-Dienste eine weitaus größere Bedeutung als die anderen Angebotssegmente. Der TK-Dienstemarkt in Westeuropa wird mit jährlich 4,6 % bis 2004 deutlich stärker wachsen als die Ausrüstungs- und Endgerätegeschäfte mit 2 % pro Jahr. Speziell in Deutschland wird der TK-Hardwareumsatz dieses Jahr sogar um 6 bis 7 % gegenüber 2002 zurückgehen. Gründe dafür sind, dass viele Carrier ihre Netzinvestitionen strecken sowie die konjunkturell bedingte Kaufzurückhaltung bei Endgeräten.

Deutschland bedeutender Markt

Deutschland ist in Westeuropa mit einem Umsatzanteil von gut 20 % der bedeutendste nationale TK-Dienstemarkt. Das Festnetzgeschäft wächst hier langsam, aber stetig. Wachstumstreiber im Festnetz sind breitbandige DSL-Anschlüsse für den Internetzugang sowie ein Verkehrsmengenanstieg verbunden mit Erhöhungen von Anschluss- und Verbindungspreisen. Ende 2003 wird es hier zu Lande knapp 4,3 Mill. DSL-Anschlüsse geben.

Der Preisindex des Statistischen Bundesamtes für TK-Dienste nahm von Dezember 2002 bis Mai 2003 um 0,5 Punkte leicht zu. Gestiegen sind die Preise für Telefonanschlüsse, nationale Fernverbindungen und Mobilfunkdienste. Einen Preisrückgang gab es bei Ortsverbindungen infolge der Einführung von Call-by-Call in Ortsnetzen Ende April dieses Jahres. Diensteinnovationen im Festnetz findet man derzeit primär bei TK-Lösungen für Unternehmen.

Telekom weiterhin dominant

Auch fünf Jahre nach der Öffnung des deutschen TK-Marktes für Wettbewerb dominiert die Deutsche Telekom das Geschehen. 2002 entfielen wie im Vorjahr rund 76 % der festnetzbasierten Telefonverbindungsminuten innerhalb der Republik auf den Ex-Monopolisten. Bei analogen Anschlüssen und ISDN-Kanälen lag der Anteil der Wettbewerber Ende 2002 bei 0,8 % und 8,6 %. Im Geschäft mit Festnetzanschlüssen ist die Monatsmiete, die alternative Carrier an die Telekom für die Überlassung einer Anschlussleitung zahlen müssen, ein wesentlicher Erfolgsfaktor. Die Miete wurde ab Mai für die einfachste Anschlussvariante um 5,4 % auf 11,80 Euro gesenkt.

Da die Telekom ihre Endkundenpreise für analoge Anschlüsse – ermutigt durch die Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post (RegTP) – erhöht hat und weiter anheben wird, verbessern sich die Chancen für alternative Zugangsnetzbetreiber. Kunden mit Analoganschlüssen werden hier zu Opfern einer Auseinandersetzung zwischen RegTP und Europäischer Union (EU), die seit langem eine stärkere Senkung der deutschen Vorleistungspreise für Wettbewerber bei Telefonanschlüssen fordert. Da die RegTP diesem Drängen auf Grund politischer Vorgaben nicht nachgeben darf, versucht sie den Konflikt zu entschärfen, indem sie der Telekom Spielraum bei der Erhöhung ihrer Endkundenpreise für Telefonanschlüsse einräumt.

WLAN setzt Impulse

Ein Impuls für den Zugangswettbewerb geht von der raschen Verbreitung von "Wireless Local Area Networks (WLAN)" aus. Öffentliche WLAN stellen an einzelnen, im Jargon als "Hotspots" titulierten Standorten – beispielsweise in Flughafenterminals – einen drahtlosen breitbandigeren Zugang zu Datennetzen zumeist per Laptop oder PDA bereit. Mehr als ein Dutzend Firmen errichten derzeit Hotspots in Deutschland. Sie betreiben schon weit über 400 Hotspots. Mittelfristig bietet der deutsche Markt aber bestenfalls Platz für eine Hand voll Anbieter.

Im Mobilfunk sollen über SMS hinausgehende mobile Datendienste das zukünftige Wachstum tragen. Die vier Mobilfunknetzbetreiber in Deutschland sind dabei, mobile Datendienste-Portale zu errichten. So können zum Beispiel Sportmeldungen, Fotos oder E-Mails bereits heute auf mobile Endgeräte geleitet werden, ohne dass der Sprung zu UMTS-Mobilfunknetzen vollzogen sein muss. Deren Start zögert sich weiter hinaus. Wirtschaftlich spürbare Bedeutung werden UMTS- Dienste in Deutschland allenfalls ab 2006 erlangen.

Telekommunikationsgesetz im Wandel

Von enormer Bedeutung für das TK-Dienstegeschäft ist die derzeit vorbereitete Anpassung des deutschen Telekommunikationsgesetzes (TKG) an Vorgaben der EU. Am 30. April veröffentlichte das Wirtschaftsministerium den "Referentenentwurf" für das neue TKG. Das Regelwerk wird zu noch mehr Ermessensspielraum für die RegTP und zu komplexen Abstimmungsprozeduren mit der EU führen. Die Lobbyarbeit der TK-Anbieter dürfte noch etliche Änderungen im Lauf des Gesetzgebungsprozesses bewirken, der bis Ende 2003 abgeschlossen werden soll. Damit ist eine seriöse Prognose von Effekten des neuen TKG auf die Wettbewerbsevolution in der deutschen TK-Wirtschaft heute noch nicht möglich.

Univ.-Prof. Dr. Torsten J. Gerpott, Lehrstuhl Telekommunikationswirtschaft, Universität Duisburg-Essen.

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