Finanzierungsmix
Auf die Vielfalt kommt es an

Der Kredit ist nach wie vor die beliebteste Form der Finanzierung. Doch Experten raten zum Einsatz unterschiedlicher Instrumente. Nun setzen immer mehr Mittelständler auf das Factoring. Sie kommen schneller an ihr Geld.
  • 0

DüsseldorfDas Zinstief hält an. Doch nicht für jeden Mittelständler ist das ein Grund zur Freude. Manches Unternehmen kann die günstigen Konditionen bei Krediten nicht in Anspruch nehmen. Sei es, weil es keine Sicherheiten bietet oder die Bank das Geschäftsmodell nicht versteht. Immerhin 57 Prozent der Finanzentscheider von kleineren und mittleren Unternehmen wünschen sich mehr Unabhängigkeit von ihrer Hausbank, wie eine Befragung des Bundesverbands Factoring für den Mittelstand (BfM) zeigt.

Doch um mehr Freiheiten zu erlangen, müssen Mittelständler andere Finanzierungsinstrumente einsetzen. 48 Prozent finden Lösungen sinnvoll, die den Bankkredit ergänzen, wie zum Beispiel Factoring und Leasing. „Factoring kommt mittelständischen Unternehmen entgegen, die sich bei der Finanzierung breiter und unabhängiger aufstellen möchten“, sagt Volker Ernst, Vorstandsvorsitzender des BfM. Beim Factoring kauft ein Factoring-Unternehmen eine Forderung auf und begleicht sie gegen eine Gebühr.

Vorteil für den Mittelständler: Er kommt schneller zu seinem Geld und reduziert das Ausfallrisiko. Dadurch verbessern sich die Eigenkapitalquote und das Bonitätsrating bei der Hausbank. Die Idee macht Schule: Um 19,4 Prozent ist nach Angaben des BfM das Factoring-Volumen bei Mittelständlern 2016 gegenüber dem Vorjahr gestiegen.

„Eine moderne Unternehmensfinanzierung nutzt heute das gesamte Spektrum an Finanzierungsalternativen und ist maßgeschneidert auf den individuellen Bedarf zugeschnitten“, sagt Professor Diethard Simmert von der International School of Management (ISM) in Dortmund und Frankfurt. Wichtigstes Element sei der ausreichende Einsatz von Eigenkapital.

Das haben viele Unternehmen erkannt und in den vergangenen Jahren ihre Eigenkapitalquote deutlich angehoben. „Entwicklung und Markteinführung innovativer Produkte oder Unternehmenseinkäufe sind kaum zu realisieren, wenn ein Unternehmen nicht in großem Umfang selbst erwirtschaftete Mittel einsetzen kann“, meint Simmert. Wenn der eigene Cashflow nicht ausreiche, kommt auch externes Kapital zum Beispiel von Beteiligungsgesellschaften infrage.

Die Hausbank übernimmt für Simmert eine neue Aufgabe: „Die Hausbank ist heute in erster Linie nicht mehr Kreditfinancier, sondern tritt als Dienstleister und Berater auf, der Finanzierungskonzepte entwickelt, passende Bausteine arrangiert und auch den Zugang zu anderen Finanzpartnern erschließt.“ Größere mittelständische Unternehmen sollten auch den Kapitalmarkt nutzen, um ihren Finanzierungsbedarf zu decken.

Kommentare zu " Finanzierungsmix: Auf die Vielfalt kommt es an"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%