Firmenübernahme
Die Scheu vor dem Verkauf

Deutsche Mittelständler sehen Finanzinvestoren skeptisch. Dabei werden Firmen derzeit hoch bewertet. Trotz der Flaute gibt es aber nach wie vor Hoffnungen auf eine Belebung des Geschäfts.
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FrankfurtDie ganz große Übernahmewelle im Mittelstand – sie ist bisher ausgeblieben. Weder haben die Klagen über eine zu hohe Steuerlast noch politische Themen wie die erste rot-grüne Bundesregierung und schon gar nicht der Generationswechsel in den vergangenen Jahrzehnten zu einer Flut von Transaktionen in Deutschland geführt. Vielmehr gibt es einen stetigen Fluss an Käufen und Verkäufen von mittelgroßen Firmen – wobei global zuletzt mehr Aktivität verzeichnet wurde als im hiesigen Markt.

Weltweit belief sich das angekündigte Volumen an Mergers & Acquisitions (M&A) in den ersten neun Monaten des letzten Jahres bei den Deals bis 500 Millionen Dollar auf 633,2 Milliarden Dollar – das entspricht immerhin einem kräftigen Plus von 22 Prozent. In Deutschland ergab sich dagegen laut den Daten des Informationsdienstleisters Thomson Reuters mit 13,3 Milliarden Dollar ein kleines Minus von 8,2 Prozent. In den Nachbarländern Frankreich und Italien wurden dagegen deutliche Zuwächse verzeichnet. „Die deutschen Mittelständler halten sich derzeit zurück. Ein Grund ist auch die schwierige Anlage von Verkaufserlösen angesichts des Niedrigzinsumfelds“, sagte ein Investmentbanker.

Trotz der Flaute gibt es aber nach wie vor Hoffnungen auf eine Belebung des Geschäfts. „Management und Gesellschafter sind heute aufgeschlossener gegenüber Verkäufen. Teilweise liegt das daran, dass Führungskräfte von außen in Familienunternehmen geholt wurden und die emotionale Bindung zu der Firma geringer geworden ist“, sagt Jeffery H. Perkins, Geschäftsführer der Investmentbank Harris Williams & Co. im Gespräch mit dem Handelsblatt. Die auf den Mittelstand spezialisierte Gesellschaft hatte zuletzt über ihre Niederlassung in der Mainmetropole den Maschinenbauer Trumpf beim Verkauf der Medizintechniksparte an das US-Unternehmen Hill-Rom Holdings beraten. „Unser Ziel war es, einen Partner für Trumpf Medical Systems zu finden, der die gleichen Werte und die gleiche Unternehmenskultur teilt und in der Lage ist, das Geschäft weiterzuentwickeln und Wachstum voranzutreiben“, hatte der damalige Trumpf-Finanzvorstand Harald Völker beim Abschluss der Transaktion erklärt.

Zwar drücken aktuell vor allem die gedämpften Wachstumsaussichten und die zunehmenden geopolitischen Risiken - etwa in der Ukraine und im Nahen Osten - bei den Unternehmern auf das Gemüt. Allerdings verlieren sie darüber ihre strategischen Interessen nicht aus den Augen. „Trotz des schwierigen Umfelds priorisieren 39 Prozent die Expansion in neue Märkte, 34 Prozent Firmenübernahmen und - zukäufe“, heißt es in der jüngsten Umfrage der Beratungsgesellschaft Deloitte unter Finanzvorständen.

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