Recyclingbranche
Politik will Müll-Schätze heben

Eigentlich sind sich alle einig: Mit dem deutschen Müll gehen zu viele wertvolle Rohstoffe verloren. Ein neues Gesetz soll das Problem lösen. Doch jetzt gibt es Zank darüber, wer den lukrativen Abfall einsammeln darf.
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DüsseldorfDie Fronten sind verhärtet, die Gegner klar aufgestellt. Von der „Rosinenpickerei“ der Privaten spricht die eine Seite, die andere malt das finstere Bild von neuen kommunalen Monopolen. Heute tagt der Vermittlungsausschuss, das Schlichtergremium zwischen Bundestag und Bundesrat. Sein Thema: die Novelle zum Kreislaufwirtschaftsgesetz.

Dabei geht es letztlich um die Einführung der „Wertstofftonne“ für die bundesdeutschen Haushalte. In ihr soll künftig jeder Bürger all das sammeln, das nicht zum sprichwörtlichen alten Eisen gehört, sondern noch wertvolle Rohstoffe enthält.

Das Spektrum ist breit. Während die bisherige gelbe Tonne – oder der gelbe Sack – nur wiederverwertbaren Verpackungsmüll aller Art aufnehmen sollte, kann nun alles in die Tonne gekloppt werden, das einen Rohstoffwert hat – vom ausgedienten Handy, das bekanntlich Edelmetalle in kleinsten Mengen enthält, bis zum ramponierten Quietsche-Entchen aus der Badewanne, aus dem sich noch ein Kunststoffgranulat produzieren lässt.

Dass es sich lohnt, Rohstoffe aus dem Müll zurückzugewinnen, steht außer Frage. Patrick Wiedemann, Vorstandschef der in der sogenannten Rückführungslogistik zu den europaweit führenden Spezialisten zählenden Münchener Reverse Logistic Group (RLG): „Die Recycling-Branche ist einer der wichtigsten Rohstofflieferanten der heimischen Industrie. Mittlerweile stammen Rohstoffe im Wert von fast zehn Milliarden Euro aus dem Recycling.“ Und dieser Betrag soll sich bis zum Jahr 2015 verdoppeln. Dank der neuen Wertstofftonne. „Ihre Einführung wird deutlichen Einfluss auf unser Geschäft haben“, erwartet Wiedemann.

Dabei geht der politische Streit gar nicht so sehr um die Verwertung der Rohstoffreserven aus dem Müll: Es geht vielmehr um die Logistik – die Organisation des kompletten Wertstoffkreislaufs vom effizienten Einsammeln des wertvollen Abfalls über die gezielte Verteilung an die hoch spezialisierten Verwerter und Recycler bis hin zur Rückführung in den Produktionskreislauf.

Ohne „schlanke und effiziente Logistikstrukturen“, so das Fraunhofer-Institut für Materialwirtschaft und Logistik (IML), funktionierten weder Rücknahmesysteme noch Recycling-Strategien. Solche Qualitäten traut Peter Kurth, Präsident des Bundesverbands der Deutschen Entsorgung-, Wasser- und Rohstoffwirtschaft, nur dem Wettbewerb privater Müllsammler zu. Die Schaffung „neuer kommunaler Monopole“, sagt Lobbyist Kurth, sei ein „Rückschritt für den Recycling-Standort Deutschland“.

Dagegen befürchten die Kommunen, dass sie auf der teuren Hausmüllentsorgung sitzenbleiben, aber nicht an der lukrativen Rohstoff-Rückgewinnung mitverdienen. Ein „stabiles und bürgernahes System der Abfallwirtschaft“ fordert deshalb der Verband kommunaler Unternehmen (VKU) – und meint damit natürlich ein städtisch-staatliches.

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