2001 folgte der entscheidende Schritt auf der Karriereleiter
Der neue Mister Deutschland

„Banker alter Schule“: Jürgen Fitschen soll das Image der Deutschen Bank in der Heimat polieren.

FRANKFURT. Fähig, freundlich, teamorientiert und bodenständig, aber auch blass, unterschätzt und etwas trocken. Es sind immer wieder dieselben Adjektive, mit denen Mitarbeiter und Weggefährten Jürgen Fitschen beschreiben. Seit drei Jahren gehört der 56-jährige Niedersachse zum engeren Führungskreis der Deutschen Bank, doch in den Vordergrund hat er sich bislang kaum gedrängt.

Das wird sich ändern, denn Fitschen soll in Zukunft eine Schlüsselrolle übernehmen, bei der das Klappern ganz wesentlich mit zum Handwerk gehört. Auf der Klausurtagung der Deutschen-Bank-Spitze im feinen Hotel du Cap Eden Roc an der Côte d’Azur hat Vorstandschef Josef Ackermann Fitschen die Gesamtverantwortung für die weltweiten Regionen und vor allem für das Deutschland-Geschäft übertragen. Eine Rolle, die es im Exekutivkomitee, dem eigentlichen Machtzentrum der Bank, so bisher noch nicht gegeben hat.

Der deutsche Branchenprimus scheint sich auf seine heimischen Wurzeln zu besinnen. „Es hat lange gedauert, aber inzwischen hat auch der Schweizer Ackermann die Bedeutung des deutschen Marktes erkannt“, heißt es aus der Bank. Selbstverständlich ist das nicht. Immerhin enden mittlerweile zwei Drittel aller Berichtswege der Deutschen Bank in London oder New York. Und der lange vernachlässigte deutsche Markt trägt nur noch ein Drittel zum Gewinn des Geldhauses bei, zu wenig nach Meinung vieler Analysten. Das soll Fitschen jetzt ändern.

Auch wenn sich der Manager in Zukunft vor allem um den Heimatmarkt kümmern wird, Provinzialismus kann man ihm sicher nicht vorwerfen. Von seinen 17 Jahren bei der Deutschen Bank hat er 13 im Ausland, in Tokio, Bangkok, Singapur und London, verbracht. 2001 folgte der entscheidende Schritt auf der Karriereleiter. Als Firmenkundenvorstand Carl von Boehm-Bezing früher als erwartet zurücktrat, holte ihn der damalige Bankchef Rolf Breuer im Eilverfahren in den engsten Führungskreis. Fitschen agierte unauffällig, verschaffte sich aber als grundsolider und flexibler Manager schnell Respekt. Als Bankchef Ackermann als Angeklagter im Düsseldorfer Mannesmann-Prozess zeitweise unter starken Druck geriet, da kursierte in der Bank auch immer wieder der Name Fitschen, wenn über mögliche Nachfolger getuschelt wurde. Doch Mitarbeiter attestieren ihm „absolute Loyalität“ gegenüber seinem Schweizer Chef.

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