75. Geburtstag des Altbundeskanzlers
Kohl forever!

Mit John Major, Großbritanniens Ex-Premier, zog endlich Humor in den Hof des Deutschen Historischen Museums. „Helmut Kohl war in Birmingham, als Tausende Bergbauarbeiter, frisch arbeitslos geworden, demonstrierten und schrien: Coal Forever! Helmut aber hielt die Protestschreie für einen Lobgesang auf sich selbst und nickte mir zufrieden zu: Siehst Du, die Engländer lieben eben Europa!“ Oh, Helmut.

HB BERLIN. Major war wie Henry Kissinger und Jacques Delors Ehrengast beim Empfang der Konrad-Adenauer-Stiftung für den langjährigen CDU-Chef und Alt-Bundeskanzler Helmut Kohl. Der ist ja 75 geworden. Pro Lebensjahr waren rund zehn Freunde erschienen. Vor allem aus der alten CDU, aus der scheidenden CDU, aus Kohls CDU.

Vor Major hatte Bundespräsident a. D. Roman Herzog einen eigenwilligen Auftritt. In scheinbar launiger Harmlosigkeit rühmte er Kohl, dem ob seines Ehrenwortes an anonyme Spender der Partei-Ehrenvorsitz aberkannt worden war: „Kohl hat immer Wort gehalten!“ Der Professor der Rechte und Kommentator des Grundgesetzes exkulpierte jovial den langjährigen Förderer: „Wenn einer im Wort steht, kann man nicht von ihm verlangen, dass er davon abgeht.“ Keiner im glasüberdachten Barock-Hof brauchte da Interpretationshilfe: Kohls Ehrenwort geht über irdisches Maß hinaus. Dann setzte Herzog nach: Auch das „System Kohl“ habe allein auf „Hilfsbereitschaft und Vertrauen“ gefußt.

Bei solch oberstem Freispruch ging ein Ruck der Freude durch die Kohlianer. Vor allem ein Grüppchen zeigte sich in Champagner-Laune: Da fachsimpelte über Gott und das Recht Manfred Kanther, Ex-Innenminister, mit Hans Terlinden, dem Herrn über Kohls Kassen; da kreuzten sich die blitzenden Blicke von Ex-Schatzmeisterin und Schäuble-Intimfeindin Brigitte Baumeister mit denen des Joachim Hoerster, einst CDU-Fraktionsgeschäftsführer und ebenfalls Bargeld-Verwalter; und auch Franz Josef Jung, der sich in der Spendenaffäre mit einem Mea-Culpa-Bekenntnis zwischen die Ermittler und Hessens Ministerpräsident Roland Koch warf, gefiel die Laudatio nach Herzog-Art: Das System Kohl war am historischen Ort versammelt. Womöglich zum letzten Mal.

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