Adidas-Chef Herbert Hainer
Der Herr der Bälle

Das Duell mit dem weltweit größten Sportartikelhersteller Nike treibt Adidas-Chef Herbert Hainer fortwährend aus der fränkischen Provinz in alle Welt hinaus. Adidas will die globale Goldmedaille. Doch dazu muss die Integration von Reebok klappen. Eine Handelsblatt-Reportage.

PEKING. Herbert Hainer begrüßt das mit allerlei Schusswaffen ausgerüstete Wachpersonal. Dann legt er an diesem schwülheißen Augusttag in Peking flott sein Jackett ab, schnappt sich einen knallroten Bauarbeiterhelm, zieht ihn über den Kopf, biegt um den fast drei Meter hohen Holzzaun, der das Objekt der Begierde für das gemeine Volk noch blickdicht abriegelt, hält einen Moment inne und ruft: „Wow! Nicht schlecht, oder?“

Aus dem Staub wächst direkt vor ihm eine dramatische Konstruktion aus Stahl und Beton, die einmal Chinas neuer Stolz sein soll, die 91 000 Zuschauer fassende Olympiaarena. Das Tribünendach wirkt wie ein gewaltiges Mikadospiel aus Eisen und Stahl, kreuz und quer sind die Träger miteinander verbunden, mitunter ragen sie scheinbar ohne jeden statischen Sinn und Verstand ziellos in den Himmel. Die Einheimischen nennen das Stadion „bird’s nest“.

Für Adidas-Chef Hainer soll es bei Olympia 2008 zum Sammelbecken werden, randgefüllt mit Goldmedaillen, gewonnen von Athleten aus aller Welt in Adidas-Trikots und -Schuhen, noch dazu vor den Augen von einer Milliarde erwartungsfrohen und konsumbereiten Chinesen. Hainer sagt: „China ist für uns und für Nike ohne jeden Zweifel einer der wichtigsten Märkte in den nächsten Jahren. Nike ist hier noch vorn, aber wir holen auf. Hier wird sich mitentscheiden, wann wir Nike überholen.“

Für Herbert Hainer ist der Zweikampf mit der US-Konkurrenz Aufgabe und Motivation zugleich. Das Messen mit und an Nike hat aus dem gebürtigen Niederbayern einen globalen Manager gemacht, stets bewegt und getrieben von neuen Märkten und Trends, vom nächsten sportlichen Großereignis und der Mission, weltweit die Nummer eins zu sein.

Wie aber managt man eine globale Marke, deren Produkte zu 98 Prozent außerhalb der Republik in nahezu 60 verschiedenen Ländern auf vier Kontinenten von 465 000 Menschen in 700 fremden Fabriken hergestellt und in mehr als 150 Nationen zum Kauf angeboten werden? Wie kann da der Angriff auf die Konkurrenz in China, Indien und in aller Welt ausgerechnet aus der fränkischen Provinz heraus gelingen?

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