An neuen Tricks wird schon gebastelt
Neue Pflichten für Versicherungsvermittler

Unzählige Bundesbürger können ein Lied davon singen: Im Kampf um Kunden und Provisionen kommt es immer wieder zur Falschberatung, die den Verbraucher teuer zu stehen kommt. Damit soll jetzt Schluss sein. Ab dem 22. Mai müssen alle Versicherungsvermittler sorgfältiger als bisher beraten, jedes Verkaufsgespräch muss dokumentiert werden.

HB MÜNCHEN. So sieht es zumindest ein neues Gesetz vor, das erstmals eine Berufserlaubnis und Eignungsprüfung auch für die Versicherungsbranche einführt. Halten sich Vertreter nicht daran, können Kunden Schadenersatz womöglich einfacher durchsetzen als bisher. Wer eine Versicherung abschließen wolle, müsse trotzdem weiter auf der Hut und kritisch bleiben, warnen Verbraucherschützer. "Ob unkundige Feierabendvertreter endlich der Vergangenheit angehören, muss sich erst noch zeigen", rät Michael Wortberg, Versicherungsexperte der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz, zur Vorsicht.

Die Neuregelung, die eine Richtlinie der Europäischen Union umsetzt, legt zunächst einmal recht hohe Hürden an: Ein Versicherungsvertreter darf künftig nur noch dann selbstständig Policen verkaufen, wenn er als zuverlässig gilt, vor der Industrie- und Handelskammer eine Sachprüfung besteht und eine Haftpflichtversicherung für berufliches Fehlverhalten von mindestens einer Million Euro pro Schadensfall nachweist. Erst dann bekommt ein neuer Vertreter eine Registriernummer. Zentral verwaltet wird das Register vom Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK).

Bislang konnte jeder Versicherungen verkaufen - ohne Erlaubnis, Eignungstest oder Haftpflichtversicherung. "Wir gehen davon aus, dass das Image des Vermittlers durch den Nachweis einer Qualifikation gefördert wird", sagt Hans Schäfer-Dieter vom Bundesverband Deutscher Versicherungskaufleute (BVK). "Für die Prüfung ist Fachwissen nötig, da ist ziemliches Niveau gefragt", betont Mona Moraht, Juristin des DIHK. Laut Jahrbuch des Gesamtverbands der deutschen Versicherungswirtschaft (GdV) sind bundesweit insgesamt rund 407 000 selbstständige Versicherungsvermittler im Einsatz, der Löwenanteil davon (etwa 318 000) im Nebenjob.

Der Pferdefuß im neuen Gesetz: Längst nicht jeder Vertreter muss sich prüfen lassen, nur die Neuen, die erst seit Jahresanfang im Geschäft sind. Für die alten Hasen hat der Gesetzgeber Ausnahmen gemacht. Sie erhalten ihre Berufserlaubnis mitsamt Registriernummer auf Antrag, der Sachkunde-Test fällt unter den Tisch.

So sind beispielsweise Vermittler fein raus, die schon seit 31. August 2000 durchgehend in dem Job tätig waren. "Bei dieser Gruppe wird Sachkunde vorausgesetzt", sagt Moraht. Gleiches gilt für Vertreter, die nur für ein einziges Unternehmen arbeiten. Oder für die, die einen Berufsabschluss aus der Versicherungswirtschaft vorweisen können.

An Tricks wird schon gebastelt

Was allerdings alle Versicherungsvermittler künftig beachten müssen, ist ihre neue Pflicht zur Dokumentation des Beratungsgesprächs - egal, ob haupt- oder nebenberuflich tätig, ob alter Hase oder neu im Geschäft. Die Beratung muss jetzt in einem Protokoll zusammengefasst und dem Kunden zur Unterschrift vorgelegt werden. "Die Verpflichtung ist grundsätzlich klasse. Aber wir sind schon gespannt darauf, welche Wege eingeschlagen werden, um sie auszuhebeln", betont Wortberg. Kein Kunde dürfe sich überreden lassen, auf ein Protokoll zu verzichten.

Andernfalls gebe es später keine Grundlage, um eventuell wegen Falschberatung zu klagen. Fehlt das abgezeichnete Protokoll, muss der Vermittler nicht mehr haften.

Kunden sollten zudem aufpassen, dass die Beratung durch einen ordnungsgemäß registrierten Versicherungsvertreter erfolgt. In der Branche wird laut Wortberg an folgendem Fallstrick gebastelt: Anbahnung und Beratungsprotokoll übernimmt ein Tippgeber, erst hinterher kommt der richtig zulassene Vermittler und macht die Police perfekt. Nachteil für die Kundschaft: Der Tippgeber haftet nicht, das Protokoll wäre im Ernstfall wertlos, Schadenersatz unwahrscheinlich.

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