Arbeiten im Ausland
Wenn Teutonen in der Schweiz poltern

„Deutsche Schnell- und Vielquassler – die kommen in der Schweiz einfach unsympathisch rüber“, weiß Frank Brück, Experte für Interkulturelles Management. „Ihre zackige Sprache lässt Deutsche oft arrogant wirken, selbst wenn sie es nicht sind“, hat der Sozialwissenschaftler von der Wirtschaftsuniversität Wien beobachtet.

HB BERN. Fakt ist: Vor einer Asien-Reise machen sich deutsche Manager mit den ungeschriebenen Gesetzen der dortigen Kultur vertraut. Geht es aber geschäftlich in die nahe Schweiz, glaubt kaum einer, sich umstellen zu müssen. Doch gerade weil die Unterschiede zum Nachbarn auf den ersten Blick minimal erscheinen, besteht die Gefahr, in Fettnäpfchen zu treten.

Immer mehr Deutsche zieht es der Arbeit wegen in die Schweiz. Insgesamt 84 000 sind im Nachbarland beschäftigt. Allein im vergangenen Jahr kamen 11 228 Deutsche hinzu - sechsmal mehr als noch vor zehn Jahren. Grund für das Schweizer Nachrichtenmagazin „Facts“ zu titeln: Die Schweiz wird deutsch.

15000 deutschen Manager in oberen Positionen

Sachsen oder Bayern überbrücken nicht nur Engpässe in Gastronomie und Hotellerie oder arbeiten als Pflegekräfte und Ärzte in Spitälern. Auch in helvetischen Unternehmen halten die Teutonen Einzug: 15 000 deutsche Manager, so hat „Facts“ ermittelt, besetzen beim Nachbarn hohe und gehobene Positionen. So leitet der Heidelberger Jürgen Dormann den Energie- und Automatisierungstechnik-Riesen ABB, der Bergisch-Gladbacher Martin Kall führt die Geschäfte des Medienkonzerns Tamedia und der Kasseler Jörg Asshauer führt den Gastro- und Hotelriesen Mövenpick Group.

Deutsche Manager, die schon länger in der Schweiz leben, raten Neuankömmlingen, sich möglichst schnell an die Sprache zu gewöhnen. Obwohl Schwyzerdütsch ähnlich wie Deutsch klingt, ist es doch ganz anders und variiert auch stark von Kanton zu Kanton. „Für den Schweizer ist Hochdeutsch eine Fremdsprache, darauf sollten Deutsche Rücksicht nehmen und nicht zu schnell reden. Sonst bringen sie Schweizer schnell in eine defensive Haltung“, so die Erfahrung von Philipp Lovell. Der Geschäftsführer von MCI-Consulting in Pfäffikon im Kanton Schwyz war lange in Deutschland tätig, bevor er 2001 in die Schweiz ging.

Nur Eidgenossen reden Schweizerdeutsch

„Ein deutscher Vorgesetzter sollte seine Mitarbeiter nicht zwingen, Hochdeutsch zusprechen“, rät Franz-Josef Lerdo, Vorstandschef der Dresdner Bank Schweiz und seit fünf Jahren in Zürich. „Schweizer fühlen sich auf Dauer wohler, wenn sie in ihrer eigenen Sprache reden können – und das ist nun mal Schweizerdeutsch.“ Selbst diese Mundart zu sprechen, wird von Ausländern allerdings nicht verlangt. „Das würde nur aufgesetzt klingen und dementsprechend negativ ankommen“, sagt Banker Lerdo.

Bescheidenheit – in Deutschland schon lange aus der Mode gekommen – ist in der Schweiz tatsächlich noch eine Zier. Dazu gehört ein entsprechend leises Auftreten. Deutsche sollten vermeiden, dem polternden Klischee, das viele von ihnen haben, zu entsprechen. „Dieses Hoppla-jetzt-komm-ich-Gebaren mögen Schweizer überhaupt nicht“, weiß Lovell. Wer sich vom Chauffeur im Firmenwagen vorfahren lässt – in Deutschland ab einer gewissen Karrierestufe durchaus üblich – hat im Land der Berge schlechte Karten. „Das kommt geradezu einer Bankrotterklärung gleich“, bemerkt eine erfolgreiche Schweizer PR-Frau, die ungenannt bleiben möchte. Da sie täglich viele Stunden auf der Autobahn verbringt, kaufte sich die Geschäftsfrau aus Sicherheitsgründen einen größeres Wagen. Damit ja keiner ihrer Auftraggeber auf die Idee kam, sie hätte zu viel Geld, baute sie vor und erklärte allen ihre Beweggründe für den Autokauf.

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