Arcandor
Schickedanz: Arme reiche Konzernerbin

Schickedanz zerrinnt das Erbe ihrer Eltern zwischen den Fingern. Madeleines Mutter Grete dürfte sich mehrfach im Grab umdrehen, wenn sie wüsste, dass ihre Familie nicht mehr im Besitz des Imperiums ist, das sie aufgebaut hat. Doch ihre Tochter Madeleine ist alles, was ihre Mutter nicht war. Vor allem ist sie keine Geschäftsfrau.

DÜSSELDORF. Madeleine scheut die Öffentlichkeit, Grete lieferte regelmäßig Stoff für die Klatschkolumnen. Die Tochter lebt zurückgezogen und lässt sich auf den Partys der High Society nicht blicken, ihre Eltern dagegen liebten große Auftritte. Madeleine schätzt die Privatsphäre, Grete lud regelmäßig Geschäftspartner zum Familienessen ein. Grete führte mit Entschlossenheit die Geschicke des Unternehmens, Madeleine gilt als launenhaft bei Entscheidungen und überlässt den Platz im Aufsichtsrat lieber ihrem dritten Mann Leo Herl. Nur eines scheinen Mutter und Tochter gemeinsam zu haben. Grete hat ihren Reichtum nie öffentlich dargeboten und auch Madeleine fährt nach Aussagen von Mitarbeitern bei der Fürther Zentrale von Quelle bisweilen mit einem Golf vor.

Weil Madeleine in ihrem Leben höchstens drei Interviews gegeben hat - eins davon der Bunten und eins der Münchner Abendzeitung - muss man sich ihr Bild aus kleinen Puzzleteilchen zusammenbasteln. Die Puzzleteilchen sind Aussagen von Mitarbeitern und Managern, die allesamt ihren Namen nicht in der Zeitung lesen wollen. Denn eins steht fest: Diskretion geht der etwa 1,65 Meter großen Frau mit der leisen Stimme über alles.

Dagegen trennte ihre Mutter Privates und Geschäftliches nie. Seit ihr späterer Mann Gustav Schickedanz 1927 in Fürth das Versandhaus Quelle gegründet hatte, arbeitete sie mit ihm zusammen am Aufbau der Firma. Nach dem Krieg musste sie das Unternehmen erstmal alleine aufbauen, denn Gustav hatte für die NSDAP im Stadtrat gesessen und hatte daher Berufsverbot. Für Madeleine, die 1943 als einzige Tochter des Paares im Luftschutzbunker der Nürnberger Frauenklinik zur Welt gekommen war, war das die Gelegenheit, sich ihrem Vater anzunähern.

Mit den gemeinsamen Spaziergängen war es vorbei, als der Vater wieder arbeiten durfte. Nach der Schule wurde das Mädchen zwischen den Arbeitszimmern der Eltern hin- und hergeschoben. Ihre Mutter, die resolute Geschäftsfrau, las ihrer Tochter zwar jeden Wunsch von den Lippen ab, hatte aber nie Zeit für sie. Stattdessen saß sie bis tief in der Nacht am Schriebtisch.

"Das wollte ich nicht", sagte Madeleine Schickedanz in einem ihrer raren Interviews. Nach wenigen Semestern Betriebswirtschaftslehre in München schmiss sie das Studium hin und heiratete Hans-Georg Mangold, der schnell Karriere bei Quelle machte. Aus ihren ersten beiden Ehen gingen vier Kinder hervor, denen sie viel mehr Aufmerksamkeit widmete, als sie es von ihrer eigenen Mutter gewohnt war.

Als ihre Tochter Caroline an Blutkrebs erkrankte, verbrachte Madeleine mit ihr acht Jahre in diversen Krankenhäusern, bis die Krankheit endlich besiegt war. Daraufhin gründete Madeleine ihre Kinderkrebs-Stiftung, die Forschungsprojekte unterstützt. Um für ihr Projekt zu werben, kriecht sie sogar aus ihrem Schneckenhaus und betritt eine Bühne. Auch in der Münchener Oper, die sie als Generalsponsorin unterstützt, lässt sie sich blicken - aber nicht auf den Hauptversammlungen von Arcandor.

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