Auch international Veränderungen
Krümmer verlässt Rothschild

Stephan Krümmer, einer der bekanntesten Investmentbanker der Frankfurter Finanzszene, wird der Branche überraschend den Rücken kehren. Ende Juli werde er seinen Posten als Geschäftsführer Deutschland bei der Investmentbank Rothschild aufgeben, bestätigte der 46-Jährige dem Handelsblatt. Dafür führt er persönliche Gründe an. Bis Jahresende will er sich mit seiner Frau in sein Haus auf Sylt zurückziehen.

FRANKFURT. Krümmer hat in den vergangenen fünf Jahren erfolgreich das Deutschland-Geschäft für Rothschild aufgebaut. In den ersten sechs Monaten dieses Jahres belegte Rothschild in Deutschland hinter der Deutschen Bank und Merrill Lynch – gemessen am Transaktionsvolumen – den dritten Platz unter den Investmentbanken. Krümmer war am Börsengang des Frankfurter Flughafens Fraport beteiligt.

Zuletzt hatte er den US-Investor Haim Saban bei der Übernahme des TV-Konzerns Pro Sieben Sat 1 Media und der Kirch-Filmbibliothek beraten. Nach monatelangen Verhandlungen mit dem Kirch-Insolvenzverwalter und den Gläubigerbanken scheiterte der Deal jedoch Anfang Juni spektakulär – eine Niederlage auch für Krümmer. Mit seinem Abgang habe das aber nichts zu tun, heißt es. Rothschild bedauere vielmehr die Entscheidung.

Krümmer kommt ursprünglich aus der Medienbranche. Bevor er im April 1998 zu Rothschild ging, hatte er zehn Jahre für Bertelsmann gearbeitet, zuletzt als Bereichsvorstand für Multimedia und Unternehmensentwicklung.

Auch in der internationalen Rothschild-Gruppe gibt es Veränderungen. Nahezu geräuschlos wechselte gestern die Macht von London nach Paris. Der 60-jährige Baron David de Rothschild übernimmt die Verantwortung für das französische und das britische Bankgeschäft der Familiendynastie vom 71-jährigen Sir Evelyn de Rothschild, einem entfernten Londoner Cousin. Radikale Änderungen sind nicht zu erwarten. Baron David, der seit 1997 das Investment-Banking leitet, steht für einen transparenteren Führungsstil.

Rothschild, das unter den europäischen Investmentbanken stets einen der vorderen Plätze belegt, dürfte sich stärker dem Private-Equity-Geschäft widmen. Erst im vergangenen Jahr hatte es sich von der verlustreichen Sparte Asset-Management getrennt.

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