Aufsichtsrat uneinig
Siemens-Chef Löscher hat wohl Verbündete

Siemens-Chef Peter Löscher steht im Machtkampf um die Führung des Konzerns nicht alleine da. Mindestens drei Aufsichtsratsmitglieder halten ihm demnach noch die Treue. Der Showdown geht weiter.
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MünchenDie Ablösung von Siemens-Chef Peter Löscher reißt neue Gräben in der Führungsriege des Technologiekonzerns auf. Unter Druck gerät vor allem Aufsichtsratschef Gerhard Cromme, der den Sturz des von ihm einst geholten Österreichers eingefädelt hat. Drei prominente Vertreter auf der Kapitalseite des Kontrollgremiums stören sich Insidern zufolge an der Art und Weise, wie Löscher herausgedrängt wird.

Der frühere Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann, Allianz-Chef Michael Diekmann und die Trumpf-Chefin Nicola Leibinger-Kammüller sind demnach gegen eine Ablösung auf der Aufsichtsratssitzung am Mittwoch. Sie kritisieren das Verfahren der Absetzung als unwürdig für einen Weltkonzern, wie die Nachrichtenagentur Reuters am Montag aus dem Umfeld des Unternehmens erfahren hat. Die Rede ist von einer „Nacht-und-Nebel-Aktion“ oder gar von einem „Putsch“ gegen Löscher.

Nach „Spiegel“-Informationen soll sich Ackermann bereits am vergangenen Samstag vehement gegen eine Beschlussempfehlung des Aufsichtsratspräsidiums zur Absetzung von Amtsinhaber Löscher und einer Bestellung von Finanzchef Joe Kaeser als Nachfolger gestemmt haben. Demnach hatte Aufsichtsratschef Cromme ursprünglich geplant, schon am vergangenen Wochenende einen Konsens über die avisierte Personalrochade herbeizuführen. Doch der Ex-Deutsche-Bank-Chef stellte sich quer. Ackermann und zwei weitere Vertreter der Anteilseignerseite würden erwägen, Kaeser am Mittwoch ihre Stimme zu verweigern, heißt es.

Der Missmut des Aufsichtsrats gegenüber Löscher entzündet sich an der knappen Gewinnwarnung vom Donnerstag, mit der Siemens seine Renditeziele für 2014 aufgab. Insidern zufolge hätten sich Löschers Vorstandskollegen gegen seinen Willen durchgesetzt, die Öffentlichkeit zu informieren. Kritisch wird dabei auch die Rolle von Finanzchef Joe Kaeser gesehen, der Löscher an der Konzernspitze beerben soll.

Kaeser soll auf eine weitergehende Erläuterung der Gründe verzichtet und damit Löscher dem Zorn des Kapitalmarkts preisgegeben haben. Wegen zahlreicher Misserfolge wie die verspätete Lieferung von Zügen an die Bahn oder nach wie vor fehlenden Anschlüssen von Windparks in der Nordsee stand Löscher bereits massiv in der Kritik.

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  • Selbst wenn Löscher arbeitslos werden sollte, Hartz IV, wie tausende durch sein Sparprogramm bedrohte Arbeitnehmer bei Siemens, müsste er nicht gerade beantragen. Laut Bild-Zeitung vom 29. Juli stünden ihm als Abfindung für seinen bis 2017 laufenden Vertrag rund 6,7 Millionen Euro zu und zusätzlich laut Geschäftsbericht weitere 17 Millionen Pension zu. Von diesem Betrag könnten einige tausend Entlassene bis an ihr Lebensende ganz gut zurechtkommen.
    Das hat doch nie etwas mit mehr Leistung zu tun, wenn Personen in den oberen Etagen so viel mehr erhalten, als die zigtausende von Angestellten, die in den Betrieben erst diese Summen erwirtschaften müssen? Die Produktivitätssteigerungen der letzten Jahrzehnte wurden und werden nur noch einseitig verteilt? Das hat auch nichts mit Neid zu tun, oder der Vergleich mit Summen im Showbusiness und dem Sport. Denn hier müssen nicht Mitarbeiter deren Bezüge durch Ausbeutung finanzieren, ganz im Gegensatz zu den Menschen in den Unternehmen.

  • Es wäre schön wenn wir mehr "Ihrer Art" von Menschen hätten. Leider sieht die Wahrheit im Alltag anders aus. In den meisten Unternehmen werden auch in den unteren Ebenen wenig Acht auf Verantwortung und integeres Handeln und Verhalten gegeben. Viele, die heute Führungspositionen besetzen, verfügen nicht mal über eine anständige Erziehung.

  • Cromme kann sich in NRW nicht mehr sehen lassen, weil er Thyssen an die Wand gefahren hat. Jetzt treibt er Intrigenspiele im größten Elektronikkonzern Deutschlands. Ich dachte im Alter wird man klüger, mit 70 sollte man das meinen. Offensichtlich nimmt Machthunger keine Rücksicht auf Freunde. Wie es um den Charakter steht, das soll jeder selbst entscheiden.

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