August-Wilhelm Scheer
Jazzmusiker mit dem Faible für überraschende Töne

Der IT-Verbandschef wird auf dem IT-Gipfel wieder viele nette Worte finden. Seine Kritik an der Computermesse Cebit aber zeigt: Der 68-Jährige kann auch anders. Dort sorgten seine Äußerungen für ein mittelschweres Erdbeben.
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FRANKFURT. August-Wilhelm Scheer liebt die klaren Töne, zumindest auf seinem Saxofon, das der Jazz-Fan virtuos beherrscht. Verbal dagegen übt sich der 68-Jährige eher in Optimismus und Diplomatie, passend zur Aufgabe, die das Amt des IT- und Kommunikationsverbandes Bitkom so mit sich bringt.

Etwa heute, wenn sich die Größen der deutschen IT- und Telekommunikationsbranche in Stuttgart zum IT-Gipfel mit der Kanzlerin und diversen ihrer Minister treffen. Es ist das vierte "Meeting" dieser Art, und wie immer wird gut Wetter gemacht, wird das Interesse der Regierung an der Querschnittsindustrie Informationstechnologie gelobt. Auch von Scheer. Zwar mahnt er verlässliche Investitionsbedingungen für die deutschen High-Tech-Unternehmen an. Ansonsten dürften heute aber die harmonischen Töne überwiegen.

Halbe Sachen sind ihm ein Gräuel

Doch allzu sicher sollte sich die Bundesregierung nicht sein. Scheer schert zuweilen gerne mal aus, überrascht Freund und Feind gleichermaßen. Etwa jüngst, als er sich zur Situation der Computermesse Cebit äußert. "Wir haben die Reißleine gezogen", sagt er Ende November in Berlin. Man könne nicht weiterhin nur die Zahlen schönreden. Aussagen, die in der Branche ein mittelschweres Erdbeben auslösten. Zwar leidet der IT-Branchentreff in Hannover seit Jahren unter Besucherschwund. Doch bislang übten die "Offiziellen" Solidarität, stärkten der Messe den Rücken. Dabei stets in der ersten Reihe: August-Wilhelm Scheer.

Doch nun hat Scheer offenbar die Nase voll. Eine vom Bitkom und der Messeleitung gemeinsam gebildete "Task-Force" soll der Leitmesse zur Rettung verhelfen. Das scheint auch dringend nötig, denn die Cebit ist eines der wenigen deutschen "Vorzeigeprodukte" in einer Branche, in der Deutschland gegenüber den USA, aber auch Asien ins Hintertreffen geraten ist. Ob der Weckruf für die Cebit heute in Stuttgart auch in den Gesprächen mit den politisch Verantwortlichen eine größere Rolle spielen wird, weiß keiner. Doch die Wahrscheinlichkeit, dass dem so sein wird, ist hoch.

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