Aus Gesundheitsgründen
Dekra-Chef Schmidt tritt zurück

Als Vorstandsvorsitzender baut Klaus Schmidt den Prüfkonzern Dekra um und verdoppelt binnen sechs Jahren den Umsatz. Nun steht das Stuttgarter Unternehmen völlig unerwartet vor einem Wechsel an der Firmenspitze. Der 51-Jährige Schmidt legt seinen Posten aus gesundheitlichen Gründen nieder.
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STUTTGART. Am Montag hatte Klaus Schmidt die Aufsichtsgremien über sein Ausscheiden informiert. Bis ein Nachfolger gefunden ist, übernimmt Vorstandsmitglied Roland Gerdon Schmidts Aufgaben. Über die Nachfolge wird in Kürze entschieden, hieß es in Stuttgart.

Die gesundheitlichen Probleme des durchtrainierten Marathon-Läufers und Hobbyseglers kommen für Außenstehende völlig überraschend. Dem Topmanagement gehörte Schmidt über 13 Jahre an. Ab 2003 war er Vorstandsvorsitzender des Konzerns. Der schlanke Manager war bekannt für den enormen Einsatz und die Konsequenz, mit der er seine Aufgaben anging.

Expansion im Ausland

Unter seiner Ägide trieb der Prüfkonzern seine Internationalisierung massiv voran. So hatte Schmidt maßgeblichen Anteil daran, dass die Dekra durch eine Großakquisition in Frankreich dort zum größten technischen Überwachungsverein aufsteigen konnte. Die französische Tochter ist inzwischen Marktführer mit einem Anteil von rund 25 Prozent an den Kontrollen von Personenwagen und knapp 40 Prozent bei Lastwagen. Das Industrie-Prüfgeschäft, ehemals Monopol der Tüv-Konkurrenz, entwickelte sich unter der Führung von Schmidt zur heute zweitstärksten Wachstumssäule der Dekra. Seit seinem Amtsantritt hat sich der Umsatz des Unternehmens auf heute rund 1,7 Mrd. Euro verdoppelt. Im selben Zeitraum wuchs die Belegschaft von rund 11 000 auf heute mehr als 21 000 Beschäftigte.

Schmidts Credo, Aufgaben nur mit 100-prozentigem Einsatz anzugehen, soll ihn dem Vernehmen nach auch zum Rückzug bewogen haben. Im Amt etwas kürzer zu treten, sei für ihn nicht infrage gekommen. Der Präsident des Dekra-Präsidialrats und Vorsitzende des Aufsichtsrats, Gerhard Zeidler, bedauerte den Rücktritt von Schmidt: „Die Aufsichtsgremien haben diese Entscheidung mit Respekt und Verständnis entgegengenommen.“

Aufstieg im Windschatten

Schmidt hatte in Zeidlers Windschatten Karriere gemacht. Beide waren 1996 gemeinsam von Alcatel-SEL zur Dekra gewechselt – Zeidler als neuer Vorstandschef, Schmidt als Finanzvorstand. Kurz nach ihrem Amtsantritt richteten sie das Unternehmen in seiner Struktur und in seinem Dienstleistungsangebot neu aus. Nach Zeidlers Wechsel auf den Posten des Chefkontrolleurs setzte sich Schmidt 2003 gegen Konkurrenten von außerhalb des Unternehmens durch und stieg zum Vorstandschef auf.

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