Ausländer soll in Aufsichtsrat
Rosneft arbeitet an eigenem Image

Hans-Jörg Rudloff, Chef von Barclays Capital, soll in den Aufsichtsrat des staatlichen russischen Ölkonzerns Rosneft einrücken und damit den geplanten Börsengang des Unternehmens beflügeln.

MOSKAU. Rudloffs Kandidatur gab Rosneft Ende vergangener Woche bekannt. Der Konzern hat durch eine umstrittene Zwangsversteigerung die wichtigste Fördertochter des privaten Rivalen Yukos an sich gerissen. Das hat im Westen viel Kritik ausgelöst, teilweise wurde zum Boykott des Börsengangs aufgerufen. Nun soll die Wahl Rudloffs als einziger Ausländer im Aufsichtsrat weiteren Imageschaden abhalten.

Der Gang aufs Parkett ist für den 14. Juli geplant. Allerdings hat der Kreml-Konzern die geplante Aktienemission inzwischen erheblich eingedampft: Statt mit einemVolumen von 20 Milliarden Dollar die weltweit am höchsten dotierte Börseneinführung aller Zeiten zu werden, sollen nun nur noch 15 Prozent der Anteilsscheine für rund acht Milliarden Dollar den Besitzer wechseln.

Der 65-jährige Rudloff ist nicht nur als Chairman von Barclays Capital ein international angesehener Mann. Er ist auch Vizechef im Verwaltungsrat des Schweizer Pharmakonzerns Novartis. In Deutschland berät er die Landeskreditbank Baden-Württemberg und den Energiekonzern EnBW. International bringt der langjährige Finanzexperte sein Wissen in Beiräten der Osteuropaförderbank EBRD und der Weltbank ein. In Russland wiederum ist Rudloff Aufsichtsratsmitglied der Mediengruppe Ros-Business-Consulting. Sein Mandat bei der russischen Mobilfunkgesellschaft Megafon hat er aufgegeben.

Bevor Rudloff 1998 zu Barclays ging, hatte der in Bern studierte Betriebs- und Volkswirt gut drei Jahrzehnte bei Credit Suisse First Boston, der Investmentbank Kidder Peabody und der BBL in Luxemburg gearbeitet. Er gilt als ausgewiesener Russland-Kenner.

Rosneft ist nach Lukoil der zweitgrößte Ölkonzern Russlands. Bevor sich Rosneft aus der Versteigerungsmasse des zerschlagenen Yukos-Konzerns bedienen durfte, kam der Konzern gerade einmal auf eine Jahresproduktion von 21,6 Millionen Tonnen Rohöl, 2005 waren es mehr als 70 Millionen. Das Unternehmen setzte im vergangenen Jahr 18 Milliarden Dollar um und erwirtschaftete einen Gewinn von 2,1 Mrd. Dollar. Rosneft-Chef Sergej Bogdantschikow hatte Rudloff 1993 kennen gelernt, als der Ölmann noch auf der Pazifikinsel Sachalin nach Öl bohrte. Jetzt ist der Barclays-Chairman einer von zwölf Aufsichtsratskandidaten für die Hauptversammlung im Juni.

Der Hamburger ist nach Stationen als Auslandskorrespondent in Moskau, Brüssel und Warschau jetzt Auslandschef des Handelsblatts. Er interessiert sich besonders für Osteuropa, die arabische Welt und Iran.
Mathias Brüggmann
Handelsblatt / Korrespondent
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