Ausländische Geschäftspartner
Multikulturelle Vertragsvielfalt birgt Risiken

Die Globalisierung bringt immer neue Verträge aus aller Herren Länder in Umlauf. Wer Maschinen bei einem ausländischen Anlagenbauer erwirbt, bekommt in den seltensten Fällen einen Kaufvertrag zur Unterschrift, der nach deutschem Rechtsverständnis gestrickt ist. Für Unternehmen ist die multikulturelle Vertragsvielfalt gefährlich.

KÖLN. Für den Handel über die Grenze sind die Kontrakte oft nicht geeignet. Vereinbarungen, die etwa in den USA als wasserdicht gelten, können sich in Deutschland als unverlässliche Geschäftsgrundlage erweisen. In solchen Abkommen schlummern daher Risiken, die für die Parteien weder erkennbar noch kalkulierbar sind.

Dass die Anforderungen an das Vertragsmanagement mit der fortschreitenden Internationalisierung immens gestiegen sind, ist beileibe nicht neu. Dennoch gehen nach Meinung von Jürgen Beckers, Gründungspartner von BDH Rechtsanwälte in Darmstadt, immer noch viele Firmen allzu sorglos mit dem Problem um: "Oft scheuen Unternehmen den organisatorischen und finanziellen Aufwand. Denn letztlich müssen sie für jedes Land, in dem sie Geschäfte machen, rechtssichere und marktfähige Verträge in der Schublade haben", so Beckers. "Die bloße Übersetzung reicht da nicht aus. Die Regelwerke sind genau an die regional gültigen rechtlichen Rahmenbedingungen anzupassen", so Beckers weiter.

Die Vertragsmanager deutscher Firmen sind auch gefordert, wenn ausländische Geschäftspartner ihre Vertragsmodelle für den hiesigen Markt durchsetzen wollen. Vor allem US-Unternehmen tun dies massiv. Wer späteren Überraschungen vorbeugen will, muss auf Lokalisierung der sensiblen Klauseln pochen - auch wenn der US-Vertragspartner wenig Verständnis dafür haben wird, dass sein Entwurf in der Fremde unbrauchbar sein soll. In den Verhandlungen werden die beteiligten Juristen daher zu Vermittlern zwischen den amerikanischen Vorgaben und den rechtlichen Anforderungen in Deutschland. Dabei ist neben den internationalen Rechtskenntnissen vor allem auch die Fähigkeit zur interkulturellen Kommunikation gefragt.

Rechtsanwalt Ulrich Bäumer, Partner der internationalen Wirtschaftskanzlei Osborne Clarke in Köln, empfiehlt, sich nicht auf vorformulierte Standards zu verlassen, sondern zumindest wirtschaftlich wichtige Verträge individuell auszuhandeln. "Das ist zwar gerade zu Beginn einer Kooperation mitunter mühselig, zahlt sich aber spätestens im Streitfall aus." Denn dort zeigt sich, welche Folgen nachlässige Vertragsgestaltung haben kann. Anwalt Beckers nennt ein Beispiel: "Werden Verträge einfach wörtlich übersetzt, bekommen bestimmte Begriffe im Kontext schon mal eine ganz andere, oft ungewollte Bedeutung. Eine Gewährleistungsregelung wird so plötzlich zu einer Garantiezusage, für die nach deutschem Recht unbeschränkt gehaftet wird. Für den Verkäufer ist das im Haftungsfall der Supergau", so der Anwalt aus Hessen.

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