Außergewöhnliche Zurückhaltung und flatterhafte Entscheidungen
Milliardärin Schickedanz will ihr Erbe retten

Was denn die Großaktionärin Madeleine Schickedanz nun mit Karstadt-Quelle vorhabe, wurde Thomas Middelhoff vergangene Woche gefragt. „Kann ich auch nicht beantworten“, sagte der frisch ernannte Vorstandschef des Essener Handelskonzerns kurz und knapp.

DÜSSELDORF. Das dürfte noch nicht einmal die halbe Wahrheit sein. Denn wenn einer in diesen Tagen über die Absichten der in Fürth-Dammbach residierenden Milliardärin Bescheid wissen muss, dann Middelhoff. Schließlich hat die scheue 61-Jährige den ehemaligen Bertelsmann-Chef selbst ausgewählt, um ihr Erbe vor dem Zerfall zu retten.

In den letzten Wochen hat sie ihren Aktienanteil kräftig aufgestockt. Nach einer Mitteilung vom Dienstag dürfte sie am 11. Mai die 50-Prozent-Grenze bei Karstadt-Quelle überschritten haben. Schon wird spekuliert, sie könne die Traditionsfirma von der Börse nehmen und von Middelhoff Gewinn bringend filetieren lassen. Doch das Dementi folgt auf dem Fuße: "Wir habe die Schwelle von 50 Prozent der Stimmrechte noch nicht erreicht“, sagte Justiziar Hans-Jürgen Prohaska am Mittwochvormittag. Den aktuellen Stand der Anteilshöhe wollte er nicht nennen. Auch zu den strategischen Planungen der Großaktionäre wollte der Rechtsberater nichts sagen. Die Aufsichtsbehörde Bafin hatte zuvor erklärt, der Pool habe bisher keine weitere Aufstockung seiner Anteile angezeigt. Falls die Schwelle von über 50 Prozent erreicht wird, muss die Bafin innerhalb von sieben Tagen informiert werden.

Gemeinsam mit ihren Familienmitgliedern soll die Quelle-Erbin weit mehr als 750 Millionen Euro als Kredit aufgenommen haben, um sie in den angeschlagenen Konzern zu stecken, berichten mehrere Firmeninsider. Ein erheblicher Teil des Geldes komme von Sal. Oppenheim. Für Karstadt hat das Kölner Bankhaus mit dem Troisdorfer Baulöwen Josef Esch fünf Immobilien errichtet und an den Warenhauskonzern vermietet. Pikant: Als Privatpersonen sind sowohl Thomas Middelhoff wie auch Madeleine Schickedanz an möglichst hohen Mietzahlungen interessiert. Middelhoff besitzt Anteile der geschlossenen Fonds, die in die Bauprojekte investiert haben. Madeleine Schickedanz ist mit 1,7 Millionen Euro Mitgesellschafterin der Oppenheim-Esch-Managementgesellschaft mbH.

Offiziell gibt es dazu keinen Kommentar. Madeleine Schickedanz schweigt wie immer, sagt kein Wort zu ihren Plänen. Kaum eine Frau mit solchem Einfluss lebt so zurückgezogen. „Sie tritt fast nie öffentlich auf, und in der Schickimickiszene ist sie schon gar nicht zu finden“, heißt es in ihrer Geburtsstadt Nürnberg. Mitarbeiter berichten, bei der Fürther Zentrale fahre sie zuweilen mit einem schlichten Golf vor.

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