Autobranche
Frank Dreves: Der Antreiber bei Audi

Frank Dreves macht mächtig Druck bei Audi. Der Produktionsvorstand will die Konkurrenten BMW und Mercedes abhängen – auch in Sachen Effizienz.

INGOLSTADT. Es sind die kleinen Details, die Frank Dreves gern zeigt. Die abgeschrägten Fensterbänke, auf denen eine leere Coladose keinen Halt mehr findet. Die Glastüren in den Werkzeugschränken, die Ordnung einfordern. Und auch seine Idee, die Mülleimer ein Stück höher zu hängen, ist ein Gewinn für die Firma. So kommt die Kehrmaschine abends besser durch die Produktionshalle. „Wer Premiumautos baut“, predigt Dreves, „muss für eine blitzblanke, ordentliche Produktion sorgen.“

Es ist Ende August, und der Mann mit dem schnellen Schritt und dem noch schnelleren Wort führt durch die Audi-Fertigung in Ingolstadt. Die bleierne Zeit der Werksferien ist vorbei, die Pressen wummern, die Bänder laufen. Seit fast zwei Jahren ist der Ex-Werksleiter Ingolstadt neuer Produktionsvorstand bei Audi. Jetzt hat er die Verantwortung für die Fertigung von fast einer Million Autos pro Jahr.

Und es sollen deutlich mehr werden. Audi will die Platzhirsche aus Stuttgart und München abhängen, profitabler und effizienter als die Konkurrenten BMW und Mercedes arbeiten. So sieht es der Masterplan von VW-Patriarch Ferdinand Piëch vor. Der Angriff läuft über die Bänder von Frank Dreves.

„Ich bin Teamplayer“, sagt der. „Mitarbeiter so zu motivieren, dass jeder versteht, worum es geht, das ist für mich entscheidend.“ Er steht vor den großen Pressen, die er zum Profit-Center bei Audi gemacht hat. Die Produktionsleiter müssen sich jetzt daran messen lassen, wie viel Verschnitt sie beim Biegen und Stanzen produzieren. Früher waren es einmal 60 Prozent Ausschuss, jetzt sind es 40. Dreves liebt solche Zahlen.

Es läuft rund bei Audi. Die VW-Tochter fährt deutlich besser durch die Krise als die Konkurrenz. Während Daimler und BMW im ersten Halbjahr ein Fünftel ihres Absatzes einbüßten, waren es bei der VW-Edeltochter gerade einmal 8,1 Prozent. Standen in Stuttgart und München wochenlang die Bänder still, so hat Audi in Ingolstadt gerade einmal eine Woche Kurzarbeit einschieben müssen.

Die Brust ist breit geworden: Als Audi im Juli mit einer großen Gala seinen einhundertsten Geburtstag feiert, kommen Starpianist Lang-Lang und Kanzlerin Angela Merkel. Mit wohlwollender Miene nimmt Ferdinand Piëch die Parade der Audi-Erfolgsmodelle ab. Er sieht Audi immer noch als bestes Pferd im Stall.

Dreves ist nicht der Typ für Veranstaltungen dieser Art. Eher trifft man ihn auf der Tribüne des Fußball-Drittligisten FC Ingolstadt. Der ehemalige Handballer Dreves ist Aufsichtsrat, und Audi ist Trikotsponsor. Gemeinsam wollen sie den FC nach vorne bringen. Ein ambitioniertes Projekt, aber nur fürs Wochenende.

„Autoproduktion ist meine Leidenschaft“, sagt Dreves. Es ist eine Passion, die er gerne mit anderen teilt. Er steht unter Strom, und wenn er kommt, dann elektrisiert er seine Umwelt. „In den Hallen klingeln die Telefone, wenn Dreves sein Büro verlässt“, sagt ein Audi-Mitarbeiter über den Mann, der keine Schraube auf dem Boden übersieht.

Der 57-jährige Antreiber hat Maschinenschlosser gelernt und Maschinenbau studiert. Als er Anfang der achtziger Jahre in Ingolstadt anfängt, laufen bei Audi noch biedere Beamtenkutschen vom Band. Die japanischen Autohersteller mit ihren effizienten Fertigungstechniken sind das Maß der Dinge. Dreves geht als Fertigungsplaner zur VW-Tochter Seat, baut Ende der 90er-Jahre das VW-Werk in Curitiba in Brasilien auf. Als er 2000 nach Ingolstadt zurückkehrt, übernimmt er die Fertigungsplanung. Mit dem damaligen Audi- und heutigen VW-Produktionschef Jochem Heizmann setzt er seine Vorstellungen von Teamarbeit und schlanker Produktion durch.

„Wir arbeiten mindestens genauso effizient wie die japanische Konkurrenz, aber wesentlich flexibler“, sagt Dreves, der mittlerweile in der Montagestraße angekommen ist. Um bis zu zehn Prozent steigert er pro Jahr die Fertigungsproduktivität. Ein halbes Dutzend unterschiedlicher Modelle können jetzt über das Band laufen, ohne dass der Produktionstakt gestört wird. Alle 68 Sekunden ein Auto, 2300 am Tag. Qualitätsprobleme und Rückrufe wären tödlich. Fehler lässt das System daher kaum noch zu: Mittlerweile halten die Akkuschrauber per Funk das gesamte Band an, wenn ein Arbeiter eine Schraube vergisst. „Es nützt nichts, in der Autoproduktion der schnellste zu sein“, sagt Dreves.

Und doch drängt die Zeit. Eine chinesische Delegation hat sich für den Mittag angekündigt. Audi will in China bis 2015 seine Produktion auf 200 000 Stück verdoppeln. Ende des Jahres läuft im neuen Audi-Werk Brüssel der Kleinwagen A1 vom Band, 2011 will Audi bei der spanischen VW-Tochter Seat den kompakten Geländewagen Q3 bauen. Eine eigene Fertigung im neuen US-Werk der Konzernmutter VW ist zumindest angedacht, liegt aber erst einmal auf Eis. Audi baut heute 32 Modelle oder Varianten, 2015 sollen es 42 sein.

Angst vor der großen Aufgabe hat Dreves nicht. Ihm reicht schon ein Gang durch die Hallen, um zu wissen, ob der Laden rundläuft.

„Wir haben in unserer Produktion fließende Prozesse“, doziert er, während die Karosserie des neuen A5 Sportback vorbeischwebt. „Bei uns steht keiner mit den Händen in der Hosentasche da. Es muss aber auch niemand rennen.“

Frank Dreves

1952 Er wird am 15. August in Höxter geboren. Nach der Ausbildung zum Maschinenschlosser macht er 1981 den Abschluss an der Uni Paderborn in Maschinenbau.

1982 Er startet bei Audi. Ab 1987 leitet er die Produktplanung bei Seat in Barcelona und ab 1992 die Fertigungsplanung Montagen bei Audi.

1995 Dreves leitet die Fertigungsplanung Rohbau und baut ab 1997 das Werk in Curitiba/Brasilien auf.

2000 Er steuert die Fertigungsbereiche Karosseriebau und Montage in Ingolstadt und dann die Gesamtplanung im Audi-Konzern.

2004 Dreves wird Werksleiter am Standort Ingolstadt.

2007 Er übernimmt am 1. Februar das Vorstandsressort Produktion von Audi.

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