Automobilzulieferer will seine Marktmacht durch Innovationen stärken
Ex-Berater wird Chef bei Grammer

Der Automobilzulieferer Grammer bekommt wieder einen Vorstandschef. Bereits am morgigen Mittwoch wird der 54-jährige Rolf-Dieter Kempis den Vorstandsvorsitz des SDax-Unternehmens übernehmen.

MÜNCHEN. Der Posten blieb über ein Jahr unbesetzt: Nachdem im Frühjahr 2006 Heinz-Jürgen Otto das Unternehmen mitten in der Sanierung verließ, bestellte der Aufsichtsrat keinen Nachfolger. Finanzvorstand Alois Ponnath vertrat als Sprecher des Vorstandes das dreiköpfige Management. Grammer wollte in der Sanierungsphase mit der Verkleinerung des Vorstandes ein Zeichen setzen.

Kempis war zuvor Aufsichtsrat. Er kam 2005 von der Beratungsagentur Mc Kinsey, zuvor war er beim Stahlkonzern Thyssen-Krupp beschäftigt. Kempis werde mit dem klaren Mandat versehen, Grammer zu neuen Wachstums- und Profitabilitätszielen zu führen, sagte Aufsichtsratschef Bernd Blankenstein. Grammer kämpft wie der Rest der Branche mit steigenden Stahlpreisen und dem schwachen US-Dollar. Gleichzeitig fordern die Autohersteller drastische Kostensenkungen.

Grammer versucht, dem Druck auf mehreren Ebenen zu begegnen. Das Unternehmen fertigt Sitzsysteme für Autos, Lastwagen und Züge. Zum einen versuchen die Franken, die Kosten in den deutschen Werken zu drücken. So haben die deutschen Beschäftigten einer Arbeitszeitverlängerung zugestimmt; lohnintensive Tätigkeiten wie Näharbeiten werden nach Serbien oder China verlagert.

Zum anderen versucht das Unternehmen, sich mit Innovationen gegenüber den Autoherstellern besser zu positionieren. So hat Grammer dynamische Kopfstützen entwickelt, die Nacken und Wirbelsäule bei einem Crash besser schützen. Die Franken bauen solche Systeme jetzt in die X5-Geländewagen von BMW und die C-Klasse von Mercedes ein. Weil die Anlaufkosten aber sehr hoch sind, blieb der Gewinn im ersten Quartal des Jahres hinter den Erwartungen zurück.

Dennoch scheint Grammer aus dem Gröbsten heraus zu sein. Nach einem Gewinneinbruch im vergangenen Jahr will das Unternehmen seinen Umsatz 2007 um fünf Prozent steigern und das operative Ergebnis von zuletzt 38,9 Millionen Euro übertreffen. 2010 wollen die Franken mehr als eine Milliarde Euro umsetzen.

Dazu soll auch das Geschäft mit LKW-Kabinen ausgebaut werden, das bislang hinter dem PKW-Geschäft zurückblieb. Der anhaltend starke Absatz von Nutzfahrzeugen eröffnet Systemanbietern neue Wachstumschancen. Grammer arbeitet in einem Verbund mit einem halben Dutzend weiterer Anbieter. Ziel ist es, im LKW Komfort wie in einem Wohnwagen zu schaffen.

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