Axa-Chef
Henri de Castries: Der Machtmensch

Axa-Chef Henri de Castries ist ein Mann mit Überzeugungen: Er hält nichts von Allfinanz-Strategien; er ist ein Patriot und ein Anhänger der Trennung von Unternehmens-Aufsicht und operativer Verantwortung. Mit Blick auf den letzten Punkt hat der Franzose nun seine Überzeugung geändert.
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PARIS. Denn Axa baut seine Governance-Strukturen um: Ab Ende April 2010 soll der Konzern von einem Verwaltungsrat geführt werden und nicht länger von einem Vorstand unter Kontrolle eines Aufsichtsrates. Dabei soll de Castries neben dem Job des CEO auch den Board-Vorsitz übernehmen. Und gewinnt damit an Macht. „Effizienter“ sei diese Organisation, erklärt Jacques de Chateuxvieux, der scheidende Aufsichtsratschef, der die Änderung nach eigenen Worten selbst vorgeschlagen hat.

Die offizielle Begründung mag indes nicht so recht überzeugen. Denn Axas Großaktionär, die Großbank BNP Paribas, wird ebenfalls von einem Tandem aus Baudouin Prot (Vorstandschef) und Michel Pébéreau (Aufsichtsratschef) geführt. Und BNP Paribas scheint es nicht an Reaktionsschnelle in der Krise gefehlt zu haben.

Vielmehr könnte de Castries’ Machtzuwachs als eine Art Belohnung gewertet werden. Denn in den neun Jahren seiner Zeit als Konzernchef hat er das Aufbau-Werk von Axa-Gründer Claude Bébéar nicht nur durch Krisen manövriert, sondern auch durch Zukäufe entscheidend gestärkt.

Gleich nach Amtsantritt musste der Ex-Fallschirmspringer den Abgrund der geplatzten Dotcom-Blase überwinden – und schaffte das, ohne das Kapital zu erhöhen oder von den Ratingagenturen abgestuft zu werden. Teure Fehlgriffe wie den Kauf einer Großbank leistete er sich nicht; stattdessen verkaufte er auf dem Höhepunkt der Web-Blase die US-Investmentbank DLJ an Credit Suisse.

Einige Jahre später sammelte der passionierte Jäger von der gleichen Schweizer Großbank die Trümmer ihrer gescheiterten Allfinanz-Strategie ein und übernahm die Winterthur-Gruppe. Und einer seiner wenigen Fehler ist heute vergessen: Bei der Vorstellung der Ergebnisse für 2008 schwor de Castries, die Krise ohne frisches Kapital meistern zu können – nur um zwei Atemzüge später einen Vorratsbeschluss für die Hauptversammlung anzukündigen, um einen solchen Kapitalschritt zu genehmigen. Alle Beruhigungen („Das ist nur für Notfälle“) halfen nichts, die Aktie stürzte ab. Übervater Bébéar stieg vom Olymp und ergriff öffentlich das Wort. Mittlerweile haben sich die Wogen geglättet, und seit Anfang des Jahres liegt die Axa-Aktie 20 Prozent im Plus.

Vielleicht soll die neue Machtfülle de Castries auch den weiteren Verbleib versüßen. Denn der persönliche Freund von Nicolas Sarkozy hat ausgeprägtes politisches Interesse; so soll Sarkozy ihm nach dem Wahlsieg 2007 das Amt des Wirtschaftsministers angetragen haben. Damals lehnte de Castries ab. Aus Überzeugung.

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