Ball führte BSkyB wieder in die Gewinnzone
Ein smarter, aber harter Boss

Der schwere Aschenbecher im Büro von Tony Ball ist nicht zu übersehen. Nicht schön, aber klobig steht das Stück in dem hellen Raum der Westlondoner BSkyB-Zentrale.

HB LONDON. Doch wer die feine Gravur erkennen will, muss schon genauer hinsehen. „1 Mrd. £“ haben Freunde aus der City in ihr Geschenk für den BSkyB-Chef einritzen lassen. Als ewige Erinnerung und gemeine Anspielung auf das Investment des britischen Pay-TV-Senders bei der Kirch-Gruppe. Kirch ist pleite, das Geld ist weg. Verbrannt, für immer. Asche zu Asche.

Die Fehlinvestition in den deutschen Bezahlkanal sei bislang die schmerzlichste Erfahrung als Sky-Chef gewesen, sagt Ball mit seiner stets sanften Stimme. Und wie immer wählt der 47-Jährige die Worte genau. Denn in London ist es ein offenes Geheimnis, dass ihm das Kirch-Engagement Rupert Murdoch eingebrockt hatte. Ball lässt so lieber offen, was schmerzlich war – der Verlust oder die Vorgabe.

BSkyB gehört zum weltweiten Imperium des australischen Medienzaren. Dessen Konzern News Corp. hält nicht nur 36 Prozent an dem Sender. Der 72-jährige Murdoch gibt als Chairman in London den Kurs vor. Für einen Machtmenschen wie Ball ist dies nicht leicht. Doch er habe ein feines Gespür für Murdoch, heißt es. Immerhin konnte er ihm ein Millionengehalt abtrotzen.

Murdoch dürfte mit Ball zufrieden sein. Er hat den Konzern in die Gewinnzone geführt und fast sieben Millionen Abonnenten gewonnen. Damit hat er BSkyB zur Nummer eins im europäischen Bezahlfernsehen gemacht.

Erfolg und viel Geld – dennoch ist Ball nicht einer der Spaß-Verbreiter aus der Medienbranche. Er ist eher ungeduldig, leicht genervt und wirkt manchmal verbissen. Der Mann mit den kantigen Gesichtszügen ist so als Zyniker bekannt. Seine Späße verderben anderen gern die Laune. „Seitdem ich das letzte Mal hier war, stehen hier mehr teure Autos herum“, sagt er Besuchern schon mal beim Gang über den Mitarbeiterparkplatz. „Dagegen muss ich was unternehmen.“ Als Chef setze Ball seine Leute bewusst unter Druck, sagt ein Ex-Mitarbeiter. Er lasse nicht zu, dass man sich bei ihm wohl fühle. Ball gefällt diese Rolle durchaus, er spielt ganz gern den smarten, aber harten Typen.

Es ist sicher kein Zufall, dass er meist schwarz gekleidet ist und Motorräder liebt. In seinem Büro hat er sogar eine Ecke frei gehalten – für eine schwere Ducati. Die „sehr gefährliche und sehr rote“ Maschine sei genau das Richtige für einen Mann seines Alters, sagt der exzentrische Manager. Seine spanische Ehefrau Gabriella habe ihm das Fahren mit dem PS-Geschoss verboten. So fährt Ball nun eine BMW und sitzt ab und zu bei Telefonkonferenzen auf der Ducati im Büro, während „Papa“ Murdoch nach dem Geschäft fragt.

Der blickt sicher gern auf seinen Londoner Zögling, denn Ball war ei-ne gute Wahl. Dabei war seine Beru-fung an die BSkyB-Spitze Mitte 1999 durchaus umstritten. Murdoch, der gern seine Kinder an Schlüsselpositionen bringt, hatte schon Tochter Elisabeth bei BSkyB installiert. Doch Ball kam, sah und siegte. „Ich bin der Boss“, so sein kühl lächelnder Hinweis kurz nach Amtsantritt. Elisabeth Murdoch zog sich bald darauf ganz von BSkyB zurück.

Auch am Markt blieb Ball der Sieger. Drohte dem Sender bei seiner Machtübernahme neue Konkurrenz durch Kabelanbieter, hat er die Gefahr durch NTL oder Telewest geschickt gezähmt. Inzwischen bieten die Konkurrenten zähneknirschend Sky-Kanäle an, um noch interessant für die Kunden zu sein. Und während sein Vorgänger lange beim digitalen Fernsehen zögerte, setzte Ball sofort auf diese Technik. „Am Ende zählt der Programminhalt“, weiß Ball. Vor allem bei Fußball und Filmen hat er sich darum exklusive Rechte gesichert. Als Sportfan und „Filmaholic“, der schon mal drei Kinohits am Tag schaut, bringt er die besten Voraussetzungen mit. Die Ausbildung zum Fernsehingenieur hilft auch. Er sei einer der wenigen Medien-Manager, der wisse, wie die Technik funktioniere, heißt es.

Drohende Hürden, wie etwa der Streit mit Brüssel, wo die Kommission die exklusiven TV-Übertragungsrechte im Fußball stören, nerven Ball so sehr, dass er sie einfach cool ignoriert. So hat BSkyB gerade mit der englischen Liga einen neuen, besseren und exklusiveren Vertrag ausgehandelt.

Ball ist immer einen Zug schneller als die anderen. BSkyB habe noch viel Potenzial, ist er sicher. Sechs Millionen Kunden könne er in England noch gewinnen.

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